500 Eiersammelstellen. Wir in Deutschland
haben noch keine einzige oder vielleicht im
ganzen großen Deutschen Reiche 10, obwohl
wir zwanzigmal so groß sind als Dänemark.
Daher kann sich Herr Krupp beschweren,
daß er keine Eier aus Deutschland kaufen
kann. Es ist doch geradezu lächerlich, daß
man keine deutschen Eier nach dem Ruhr-
gebiet schaffen kann und sie aus Holland,
aus Dänemark, aus der Schweiz und sogar
nach den Einfuhrziffern, sage und schreibe,
aus der Tschechoslowakei und Italien be;
zieht. Das sind doch keine Zustände! Da
muß man ganz ruhig einmal hineinleuchten
gerade in unserem Gremium, das sich bez:
müht, mit den landwirtschaftlichen Organen
zu einem Ziel zu kommen.
Ich weiß sehr wohl, daß der Landwirt:
schaft die Zinsenlast viel drückender ist,
als es vielleicht in der Industrie der Fall
ist, weil sie sich dort anders auswirkt.
Der einmalige Umsatz bedingt natürlich
ganz andere Grundlagen in der Kapital:
beschaffung, in der Kreditgewährung, auch
in der Verdienstmöglichkeit. Das wissen wir
alle ganz genau, und das braucht mir in der
Diskussion nachher nicht entgegengehalten
zu werden. (Heiterkeit.) Aber trotzdem er-
wähne ich es gerade, weil ich Ihnen doch
auch einmal an Hand von einigen prak:
tischen Beispielen, die ich am eigenen Leibe
verspüre, sagen will, wieso es denn bei uns
so schlecht aussieht.
Wir sehen z. B. in Berlin, wo ein sehr
bekannter Mann, den Sie alle kennen, Herr
Staatssekretär Hagedorn, sich die größte
Mühe gibt, ein geordnetes Milchverteilungs-
system zur Versorgung von GroßzBerlin her-
beizuführen, unmögliche Zustände. Wir
haben Tage, an denen hier an 200 000 Liter
Milch fehlen, und am nächsten oder über:
nächsten Tage sind 380 000 Liter zuviel. Ich
bekomme für meine Milch von der Stadt
Berlin, die ich ihr liefere, 15 Pfg. Meine
Frau muß im Keller hier in Berlin 28 Pfg.
zahlen — Dinge, die Sie alle kennen. Wir
bekommen heute für unser nicht allererst-
klassiges, aber normales Rindfleisch 28 bis
32 Pfg. pro Pfund Lebendgewicht; und Sie
können hier im Laden unter 90 Pfg. und
1,— RM. nichts kaufen. Wenn Sie dagegen
nach Dänemark gehen, so sehen Sie, daß
85 Prozent alles Fleisches, das dort ge:
schlachtet wird, in den Genossenschafts-
schlächtereien der Landwirtschaft geschlach:
tet wird und daß diese den Vertrieb selbst
mit den Schlächtern und den Händlern des
Landes in die Hand genommen haben. Es
bedingt das keine Ausschaltung des Han-
dels, sondern eine Beteiligung, was ich aus:
Irücklich noch einmal hervorheben will, eine
Beteiligung, weil ich überzeugt bin, daß die
Landwirtschaft gar nicht in sich die nötigen
Kräfte hat, diese Organisation weltwirt-
schaftlich und kaufmännisch richtig zu
nachen. Dänemark hat das natürlich nicht
zinseitig gemacht, in dem es Läden nur in
Dänemark aufgemacht hat, sondern es hat
Filialen in London. gegründet. Wenn man
in London spazieren geht, kann man
dänische Butter in jedem Delikateßgeschäft
kaufen.
Wenn heute mit dem Einfuhrschein-
system versucht werden soll, die Schweine
auszuführen, so habe ich gar nichts da:
gegen. Auf die Dauer ist das aber auch
kein System. Auf die Dauer ist das nach
meinem Empfinden keine richtige Wirt-
schaftspolitik. Wir müssen dahin kommen,
»ine andere und bessere Produktion in der
Landwirtschaft zu machen. Sehen Sie sich
lie Verhältnisse des Ostens an. Es ist ganz
interessant, auch hier das einmal sagen zu
Jürfen. Wir stehen im Begriff, mit den
?olen unsere Handelsvertragsverhandlungen
zufzunehmen und zu Ende zu führen. Daß
zie auf Schwierigkeiten wegen des Nieder-
assungsrechts stoßen, wissen wir. Und daß
nan bei uns im Deutschen Reiche keinen
Yandelsvertrag schließen wird, ehe- diese
Frage geregelt ist, wissen wir auch. Aber
wenn diese Frage geregelt sein wird — und
las wird eines Tages der Fall sein —, dann
»leibt doch nichts anderes übrig, als einen
Yandelsvertrag mit Polen zu schließen, der
‚uch landwirtschaftliche Belange von Polen
zünstig für das Land berührt, weil Polen ja
ıichts anderes ausführen kann als im wesent-
ichen landwirtschaftliche Artikel und
<Zohlen. Aber der wesentlichste Streit-
ırtikel sind die landwirtschaftlichen Bez
ange, und das Streitobjekt sind 200 000
Schweine. 200000 Schweine stellen ein Ge:
wicht von 400 000 Ztrn. dar. Man darf wohl
'm Durchschnitt 2 Zentner für ein Schwein
‚echnen; bei den polnischen Schweinen
lürfte das ungefähr stimmen. Diese 200 000
Schweine würden bei einem Schweine-
jestand von 22,8 Millionen Schweinen in
Deutschland an sich ja nichts bedeuten. Sie
ı1aben insofern natürlich Bedeutung, als wir
wissen, daß oft der niedrigste Preis den
Marktpreis bestimmt oder beeinflußt; das
gebe ich ohne weiteres zu. Aber wenn ich
lie Frage zu erledigen habe: auf welchem
Wege känn ich den Vertrag mit Polen
nachen — und das muß die Landwirtschaft,
nuß der Reichslandbund einsehen nach