kurrenzfähig ist mit dem In: und Auslande;
und qualitativ konkurrenzfähig ist die
Ware der deutschen Landwirtschaft im In:
und Auslande nicht. Es ist ein Fehler, zu
glauben, daß man die Einfuhr dadurch hin
dern könne auf die Dauer, daß man Ein:
fuhrverbote erläßt oder falsche Handels:
verträge schließt. Die Einfuhr kann man
nur dadurch überflüssig machen nach
meinem Empfinden gerade auf landwirt-
schaftlichem Gebiete, daß man für Quali:
täten sorgt, und zwar für gleichmäßige
Qualitäten. Kein Pfund Butter wird in der
Molkerei in Dänemark dem Landwirt ab-
genommen, das mehr als 16 Prozent Wasser:
gehalt hat. Und wenn der dänische Land:
wirt seine Milch unter 3 Prozent Fettgehalt
in die Genossenschaft liefert, dann wird
ihm pro Prozent fehlenden Fettgehaltes
0,4 Pf. abgezogen. Liefert er über 3 Prozent
Fettgehalt, so bekommt er 0,4 Pf. pro Pro-
zent mehr bezahlt. Das System herrscht
auch in Deutschland, ist aber zu wenig ver:
breitet. Wir in der Industrie haben alles
Interesse daran, daß die Öffentlichkeit nicht
nach der Richtung hin beeinflußt wird, daß
man mit Ansichten, wie sie der Reichsland-
bund (s. oben) vertritt, durchkommen
könne. Wir müssen dafür sorgen, daß in die
breiteste Öffentlichkeit die Aufklärung
dringt, daß wir in der Industrie absolut von
der Notlage überzeugt und gewillt sind, der
Landwirtschaft zu helfen und unsere Hilfe
zur Verfügung zu stellen, daß wir die Regie-
rung aber ersuchen müssen, daß sie auf dem
Wege der Wirtschaftspolitik, der Handels:
vertrags; und Zollpolitik, wie sie sie bisher
getrieben hat, im Interesse der Allgemein:
heit fortzufahren verpflichtet ist.
Auch ich möchte mich gerade, um das
zu betätigen und zu bestätigen, was ich hier
ausgeführt habe, auf List berufen, wie das
der eine der Herren Vorredner getan hat, der
mir aus der Seele sprach, weil auch ich List
für den größten Nationalökonomen halte,
den Deutschland, vielleicht Europa, hervor;
gebracht hat. List hat schon vor 100 Jahren
ausgesprochen: Deutschland kann und soll
kein England werden, das heißt, es soll kein
Land werden, in welchem Manufaktur und
Handel das Übergewicht behaupten, son-
dern nur eines, wo diese beiden Faktoren
des Nationalreichtums mit dem dritten, der
Landwirtschaft, im Gleichgewicht stehen.
Das ist mein Wunsch; und ich hoffe, daß
dieser Gedanke des großen Propheten der
Vergangenheit immer mehr Allgemeingut
aller Deutschen wird. (Lebhafter langan;
haltender allseitiger Beifall.)
Herr Landrat a. D. Dr. Freiherr ‚von
Wilmowsky:
Meine Herren! Es ist der Wunsch ge:
iußert worden, daß auch ein Mann, der sich
zu 50 Prozent als Beschuldigter fühlt
Heiterkeit), nämlich als Landwirt, der aber
ıuf der anderen Seite seit Jahren in enger
’ühlung mit der Industrie steht, zu diesen
ragen das Wort nimmt, Ich will mich auf
lie Frage beschränken, wie augenblicklich
lie geistige Einstellung in den landwirt-
schaftlichen Organisationen ist und welche
Stellung sich aus ihr für die Industrie ergibt.
Zunächst ein meiner Ansicht funda-
mentaler Unterschied: in den industriellen
Irganisationen fühlt sich das einzelne Mit-z
jlied vorwiegend als Unternehmer und ver;
Tritt rein privatwirtschaftliche Interessen,
‚erlangt auch lediglich dies von seiner
Jrganisation. In den landwirtschaftlichen
Jrganisationen dagegen fühlt sich das ein;
;jelne Mitglied nicht zunächst als Unter-
ıehmer, sondern als Bauer, als erdgebun-
jenes Wesen, das seine wesentliche Aufgabe
zunächst im Bebauen des Landes sieht, und
»ei dem die Rente erst in zweiter Linie
‚ommt. Darauf ist es auch zurückzuführen,
venn vorläufig noch der Bauer von seiner
Jrganisation verlangt, daß sie nicht nur
jein privatwirtschaftliches Interesse ver:
olgt, sondern daß sie vor allem seine Welt:
nschauung und seine politischen Ziele
iurchzusetzen versucht. Man mag dies be-
lagen; ich würde es sehr begrüßen, wenn
ler Herr Vorredner auch einmal in lands
wirtschaftlichen Kreisen darauf hinwirken
wollte, daß die auch meines Erachtens zu
:inseitige parteipolitische Einstellung in
twa zurückgestellt werden möchte. Aber
vorläufig, meine Herren, ist nun einmal
liese Einstellung vorhanden, und die Füh-
ung einer landwirtschaftlichen Organi-
ation, die diese Stimmung nicht berück:-
‚ichtigen wollte, würde voraussichtlich eins
ach hinweggefegt werden. Es wird sich,
wie ich glaube, darum handeln, daß man
ıllmählich die bäuerliche Masse dahin er-
:ieht, eine allzu einseitige parteipolitische
3indung ihrer wirtschaftspolitischen Ver-
.retungen zurückzustellen.
Ich glaube, daß diese Einstellung nicht
ıur aus der gesamten Einstellung des
Bauern zu erklären ist, sondern auch in
;twa durch die historische Entwicklung be-
lingt ist. In der Vorkriegszeit war der
3Zauer an die Autorität gewöhnt. Ich er-
nnere an die schöne Geschichte aus Ost: