nicht mehr. Es ist also schon hierin eine
gewisse — ich möchte sagen — Bedachtsam-
keit der Politik des Völkerbundes ohne
weiteres gegeben.
Außerdem herrscht im Völkerbund das
Universalitätsprinzip, d. h. der Völkerbund
will eine Zusammenfassung aller Nationen
sein. Insofern ist der Völkerbund für die
Betrachtungen weltwirtschaftlicher Probleme
einerseits zu klein, andererseits zu groß. Zu
klein, wenn man glaubt, daß diese weltwirt-
schaftlichen Probleme unter Mitwirkung
aller Staaten gelöst werden müssen, weil
dem Völkerbund bekanntlich die Vereinig-
ten Staaten und Rußland neben einigen
anderen Staaten, die sich noch etwas abseits
halten, nicht angehören. Andererseits ist
er zu groß, wenn man die Probleme in erster
Linie als europäische Probleme betrachtet,
weil jedesmal, wenn nun ein Problem, das
im Grunde ein europäisches Problem ist,
erörtert wird, die ganz anders gearteten Ver-
hältnisse der außereuropäischen Länder mit
Berücksichtigung finden müssen. Ein kleines,
etwas groteskes Beispiel: Als wir das
Problem der Ein: und Ausfuhrverbote, das
im wesentlichen ein europäisches Problem
ist, da im wesentlichen nur europäische
Staaten Ein: und Ausfuhrverbote haben, er-
örterten, mußten wir, uns allen ziemlich un:
vermutet, zu der Frage Stellung nehmen, ob
es Ägypten erlaubt sein soll, ein Ausfuhr-
verbot für Taubenmist aufrechtzuerhalten.
(Heiterkeit.)
Die Arbeiten des _Wirtschaftsaus-
schusses seit dem Mai vorigen Jahres haben
nun den Versuch gemacht, das ganze Terz:
rain, das in den Beschlüssen der Wirt-
schaftskonferenz behandelt worden ist, ge:
wissermaßen abzutasten, wo die Dinge zu
einer Verständigung reif sind, wo also die
Möglichkeit besteht, zu einem plurilateralen
Vertrag zu kommen, d. h. zu einem Vertrag
mit vielen Teilnehmern, zu einer Art Karz
tellvertrag im Gegensatz zu einem zwei:
seitigen Vertrag, wie es die gewöhnlichen
Handelsverträge sind.
Ich darf Ihnen kurz die Gegenstände,
mit denen man sich da in erster Linie be:
schäftigt hat, darlegen.
Zunächst die Frage der Zolltarif-:
nomenklatur. Es wird ja dieser Frage
auch in Deutschland ein sehr großes Inter-
esse entgegengebracht. Es handelt sich da-
bei nicht nur um eine rein technische Frage,
wie es den Anschein haben könnte, um eine
Frage der Erleichterung des Handelsver-
kehrs im einzelnen und auch der Handels:
vertragsverhandlungen im einzelnen, wenn
lieselben Waren unter die gleiche Defi-
ıtion, unter die gleiche Zolltarifposition in
len verschiedenen Ländern gebracht wer:
den. Die Bedeutung der Frage geht viel:
mehr sehr weit darüber hinaus, und reicht
bis in den Fabrikationsprozeß hinein. Denn
as ist klar, daß bei der Verschiedenheit der
Zolltarifnomenklatur, wie sie jetzt ist, viel:
ach, um der Ausfuhrware in allen Ländern
las Optimum der Zollbelastung zu sichern,
:ür jedes Land eine besondere Konstruk-
jon oder eine besondere Ausstattungs-
ırt gewählt werden muß. Das spielt nament-
ich bei zusammengesetzten Waren einc
sehr starke Rolle. Also ich glaube, daß der
Völkerbund mit Recht die Frage der Ver-
»inheitlichung der Zolltarifnomenklatur auf-
jegriffen hat. Die praktische Arbeit ist
vom Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes
n der Weise in Angriff genommen worden,
daß zunächst eine ganz kleine Kommission
‚on 5 Personen eingesetzt worden ist, die
zinen allgemeinen Rahmen und Grundlinien
ür die spätere Ausfüllung dieses Rahmens
aufgestellt hat. In dieser Kommission ist
Jeutschland durch. Herrn Geheimrat Flach
vertreten, welcher über langjährige Erfah-
‚ungen auf diesem Gebiete, namentlich auch
ıinsichtlich der landwirtschaftlichen Ab-
schnitte des deutschen Zolltarifs, verfügt.
Die vorläufigen Ergebnisse dieser Kom:
nissionsarbeiten sind kürzlich veröffent-
icht worden, worauf Sie wohl der Reichs:
verband schon hingewiesen hat. Ich würde
Ihnen außerordentlich dankbar sein, wenn
Sie dieser Veröffentlichung Ihr Interesse
antgegenbringen und uns durch Vermittlung
les Reichsverbandes Ihre Bemerkungen zu
lem gegenwärtigen Stande der Vorarbeiten
nitteilen würden. Die Beratungen des
Jnterkomitees sollen im Juni fortgesetzt
werden.
Eine Gefahr wird bei den weiteren
Arbeiten zur Vereinheitlichung der Zoll:
:arifnomenklatur sich ergeben, und es wird
jewiß Mühe kosten, sie zu überwinden. Es
ıst klar, daß die Interessen jeder einzelnen
Wirtschaft und jedes einzelnen Landes bei
den verschiedenen Waren verschieden sind.
Ein Land, das auf einem Warengebiete im
wesentlichen Exportland ist, wird ein Inter:
ssse daran haben, daß dieses Warengebiet
nöglichst wenig unterteilt wird in dem
Zolltarif, weil selbstverständlich bei einer
geringen Unterteilung — jedenfalls soweit
es sich um spezifische Tarife handelt — die
Zxportmöglichkeiten größer sind als bei
siner starken Unterteilung. Umgekehrt wird
jedes Land, das gewissermaßen sich in der
Verteidigung befindet, auf einem Waren: