viele Länder zahlreiche Reserven anmelde-
ten, deren Annahme den Wert der ganzen
Konvention völlig in Frage gestellt hätte.
Um diesen Ländern Zeit zur Selbst:
besinnung zu geben, hat man schließlich die
Entscheidung über diese weiteren Reserven
vertagt. Es wird eine zweite Konferenz im
Juli d. J. stattfinden. Inzwischen sind einige
dieser Ausnahmewünsche durch eine fach-
liche Erörterung erledigt worden.
Es hatte sich nämlich ergeben, daß z.B.
für Häute und Felle und für Knochen von
einer ganzen Reihe von Staaten Ausnahmen
angemeldet worden waren, die im wesent-
lichen immer wieder damit operierten, daß
andere Staaten aus diesen Verboten für
Häute und Felle und Knochen nicht heraus
wollten. Man hat nun im März in Genf
die Vertreter derjenigen Länder, die an
dieser Häute-Wirtschaft und Knochen-Wirt-
schaft beteiligt sind, zusammenberufen und
hat den Erfolg gehabt, daß bei Häuten und
Fellen sich alle beteiligten Länder bereit er-
klärt haben, ihre Ausfuhrverbote aufzu-
heben und auch keine Ausfuhrabgaben an
die Stelle der Ausfuhrverbote zu setzen, was
wir im deutschen Interesse außerordentlich
zu begrüßen haben. Bei Knochen ist die
Sache nicht ganz so glatt gegangen. Da
haben sich zwar auch alle Länder bereit
erklärt, ihre Ausfuhrverbote aufzuheben,
aber sie haben sich doch vorbehalten, Aus-
fuhrabgaben zu erheben. Diese sind aber
auf höchstens 3 Goldfranken beschränkt
worden. Das ist noch ein kleiner Schön:
heitsfehler. Im ganzen aber, glaube ich,
wird man mit der Erledigung der An:
gelegenheit zufrieden sein können.
Es ist von gewisser Seite inzwischen ge:
fordert worden, man sollte diese Konvention
nicht ratifizieren, da die Landwirtschaft
kommerzielle Einfuhrverbote für landwirt-
schaftliche Erzeugnisse absolut notwendig
habe. Ich glaube, ganz so einfach wie die
Herren, welche diesen Vorschlag gemacht
haben, sich das denken, wird sich der Ge-
danke nicht verwirklichen lassen. Wenn wir
uns vorbehalten, Einfuhrverbote für land:
wirtschaftliche Produkte zu erlassen, um
landwirtschaftliche Produkte nur aus solchen
Ländern zu beziehen, die ihrerseits deutsche
industrielle Produkte abnehmen — und das
ist der Grundgedanke des Vorschlags —,
dann würden agrarische Länder Einfuhrver-
bote für industrielle Produkte machen und
würden nun mit ihren Einfuhrverboten für
industrielle Produkte genau so operieren
wie wir mit den Einfuhrverboten für land:
wirtschaftliche Produkte zu operieren ge:
dächten; und das ganze wird dann nichts
ınderes sein als ein Rückfall in die Metho-
len, die wir in der besonderen Not des
<rieges haben Platz greifen lassen müssen,
vo man Ware gegen Ware und Einfuhrkon:-
ingent gegen Einfuhrkontingent handelte.
Nir werden alle darin einig sein, daß solche
»rimitive Methoden in der heutigen welt-
wirtschaftlichen Lage undenkbar sind.
Dann ein weiterer Fragenkomplex, der
aber hier nicht weiter interessieren wird, ist
lie Vereinheitlichung des inter:
ı1ationalen Wechselrechts, wodie
Schwierigkeit darin besteht, zwischen den
ziemlich Ähnlichen Systemen der Kon;
inentalstaaten einerseits und dem angel:
;ächsischen System, das davon vollständig
verschieden ist, andererseits, eine Brücke zu
inden. Man hat es lange vergeblich ver-
sucht. Jetzt will man einen anderen Weg
jehen. Man will versuchen, nur die kon:
inentalen Systeme zu vereinheitlichen, sich
m übrigen aber darauf beschränken, die
ıngelsächsischen Systeme diesen Kontiz
ıentalsystemen etwas anzupassen.
Ein fünfter großer Fragenkomplex, der
auch schon im Beginn der Ausführung ist,
st das Niederlassungs-und Frem-:
lenrecht, wo dank der Vorarbeiten der
Internationalen Handelskammer, die einen
Vorentwurf aufgestellt hatte, der auch schon
ler Weltwirtschaftskonferenz vorgelegen
ıat, jetzt die Möglichkeit gegeben war, einen
£ntwurf durch den Wirtschaftsausschuß des
Völkerbundes zu verabschieden, der nun:
nehr den Regierungen vorgelegt wird. Man
vird annehmen können, daß vielleicht im
7rühjahr nächsten Jahres eine internationale
<onferenz zum Abschluß einer Konvention
zusammentreten wird.
Das sind diejenigen größeren Fragen-
<omplexe — kleinere habe ich nicht er-
vähnt —, die schon jetzt im Stadium der
Ausführung sind oder schon ausgeführt
worden sind. Ich brauche nur noch ein
<leines Gebiet hinzuzufügen, das Gebiet der
Zollformalitäten. Die diesbezüg-
ichen Arbeiten liegen aber schon vor der
Weltwirtschaftskonferenz. Sie werden alle
ias Abkommen über die Zollformalitäten
zennen, das ja einen kleinen ersten Anfang
zur Beseitigung der schlimmsten Auswüchse
Juf dem Gebiete der Zolltechnik enthält.
Darüber hinaus beschäftigt sich nun der
Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes mit
Vorarbeiten oder, ich möchte sagen, mit
rheoretischen Untersuchungen über die
ınderen großen Probleme, die die Welt:
wirtschaftskonferenz auf zoll und handels-
»olitischem Gebiete aufgeworfen hat. Hier
ı1andelt es sich zunächst um die Frage des