Ungarn, Südslawen sind zahlreich in den Stahlwerken von Pitts-
burg und Bethlehem; sie sind stark vertreten unter der grossen
Zahl der mit am schlechtesten bezahlten grösseren Lohnempfänger-
gruppe der Eisenbahn-Streckenarbeiter und gleichfalls stark unter
den schlecht bezahlten unorganisierten Textilarbeitern. In einem
„open shop“ (Betrieb mit unorganisierten Arbeitern) sahen wir die
Unfallverhütungsvorschriften in vier oder fünf slawischen Sprachen
sowie in Italienisch und Ungarisch ausgehängt. Dagegen waren sie
nicht in Deutsch zu finden, obwohl es in Milwaukee war, wo etwa
die Hälfte der Bevölkerung deutsch ist. Und eine Tagelöhner-
gruppe im River-Rouge-Betrieb von Ford wies drei Hautfarben
und vier mit ziemlicher Sicherheit bestimmbare Europäertypen auf,
ein Bild, das überhaupt am „laufenden Band“ bei Ford keine
Seltenheit ist. Den Stahlwerken von Pittsburg und Bethlehem wird
sogar nachgesagt, dass sie sich diese Nationalitäten in bunter Zu-
sammenstellung für ihre Betriebe planmässig aussuchen, um durch
diese, meist der Landessprache unkundigen Arbeiter die Ent-
stehung gewerkschaftlicher Organisationen in ihren Werken zu
verhindern, was ihnen bisher leider geglückt ist; Tatsache ist, dass
die Grossindustrie während des Krieges und nach dem Kriege die
Neger aus den agrarischen Südstaaten in grossen Massen ins Indu-
striegebiet holte und noch immer holt. Eine Gruppenphotographie
von Arbeitern, die wir aus einem Stahlwerk besitzen, sieht wie eine
Bildertafel zur Völkerkunde aus. Auch in ihrem Privatleben sind
die südosteuropäischen Einwanderer oft fast wie die Neger von
den „Vollbürgern“ in Ghettos abgetrennt, und die blutsmässige
Vermischung mit dem angelsächsisch-deutschen Element ist ziem-
lich selten. Das italienische Viertel in der Gegend der Canal-Street
von New York überbietet an Armut, zerfetzter Kleidung, be-
sonders der Kinder, und an schmutzigen Strassenbildern, die oft
genug die Begleiterscheinungen hoffnungsloser Armut sind, bei
weitem den von Negern bewohnten Stadtteil „Harlem“. Diese Ab-
sonderung zeigt übrigens auch deutlich, in welchen Grenzen die
Redensart von dem grossen „Rassenschmelztiegel“ der Vereinigten
Staaten zutreffend ist.
b) Proletariat unter den weissen Vollbürgern.
Töricht wäre es, behaupten zu wollen, dass alle in Amerika ge-
borenen oder die englische Sprache beherrschenden Abkömmlinge
des industrietüchtigen Britentums und Deutschtums nun ohne
weiteres oberhalb des „Kulturdüngers‘“ rangierten. Ganz ab-
gesehen davon, dass die einwandernden deutschen Arbeiter sich
fürs erste durch die Schwierigkeiten der englischen Sprache hin-
durchzuwinden haben und ausserdem genug Briten und Deutschen
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