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Die Oxydation des so gereinigten Anthracens geschieht in Raum I
und II in grossen verbleiten Cylindern mit Hülfe von saurem chromsauren Kali
und Schwefelsäure. Da ein grosser Theil der Chromsäure wiedergewonnen wird,
so ist nur ein Bruchtlieil des Oxydationsmittels als saures chromsaures Kali zuzu
kaufen. Das erzeugte Rohchinon wird abfiltrirt; die davon abfliessende Chrom
oxydlösung wird im Raum V mit einem Ueberschuss von Kalkmilch gefällt. Der
Niederschlag, bestehend aus schwefelsaurem Kalk, Chromoxydhydrat und Kalk
hydrat unterliegt in rotirenden Oefen einer Trocknung und Röstung, wobei der
•Sauerstoff der Luft die Chromsäure regenerirt, die dann wieder in der Oxydation
Verwendung findet. •
Aus dem rohen Anthrachinon erhält man den reinen Körper durch Subli
mation. In reinem Zustande krystallisirt das Anthrachinon aus Lösungsmitteln,
wie Naphta oder Eisessig, oder beim Sublimiren in langen gelben Nadeln, schmilzt
bei 273 ® 0. und zeichnet sich durch seine grosse Widerstandsfähigkeit gegen
über chemischen Agentien aus. Es ist das einzige, in reiner Form hergestellte
Zwischenproduct der Alizarinbranche. Das Anthrachinon wird durch Erhitzen
mit rauchender Schwefelsäure, die 20—60 pCt. freies Anhydrid enthält, sulfirt,
und die erzeugten anthrachinonsulfosauren Salze gehen durch Schmelzen mit
Aetznatron in Alizarin über. (Kaum III.) Die Manipulationen mit der rauchenden
Schwefelsäure geschehen in gusseisernen Kesseln unter Luftabschluss.
Die Alizarinnatronschmelze wird in Wasser gelöst und mit Salzsäure
oder Schwefelsäure zersetzt, wodurch der Alizarinfarbstoff in gelbrothen Flocken
sich ausscheidet. (Raum IV.) Nach dem Abfiltriren und sorgfältigen Auswaschen
mit Wasser werden die Filterpiesskuohen uochmals zerrührt, und der erhaltene
orangefarbige Teig ist das Alizarin des Handels.
Wird dieser Teig getrocknet und vorsichtig sublimirt, so erhält man das
reine Alizarin in schönen, orangerothen Nadeln, gruppirt wie die Fahne einer
Feder. In Wasser ist das Alizarin nur wenig löslich, wohl aber in Alkohol, Aether,
Eisessig.
An und für sich kein Farbstoff hat das Alizarin die Eigenschaft, mit Metall
oxyden imprägnirte Baumwolle unter Lackbildung zu färben, und zwar erzeugt
es auf der Baumwolle mit Thonerde Roth und Rosa, mit Eisenoxyd Violett und
Schwarz, mit einer Mischung von Eisenoxyd und Thonerde oder mit Chromoxyd
Braun. Auf mit Oel und schwefelsaurer Thonerde gebeizter Baumwolle erzeugt
Alizarin das Türkischroth. Die grosse Schönheit und Aechtheit der mit Alizarin
erzeugten Farben hat schon längst die Krappwurzel zum wichtigsten Farbstoff
gemacht, und seit der künstlichen Erzeugung des Alizarins hat sich der Gonsum
dieses Farbstoffs vervielfacht.
Anschliessend an das Eingangs dieses Abschnittes über das An-
thracen Gesagte, kann ich mich über die Darstellung des Alizarins,
d. h. über die hierbei beobachteten Erkrankungen der Arbeiter kurz
fassen, weil in den letzten 5 Jahren Fabrik - Erkrankungen auf der
Alizarin-Fabrik nicht beobachtet wurden. Tab. E. 1 zeigt, dass im
Durchschnitt 210 Arbeiter auf derselben beschäftigt waren, und dass