Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Königtum und Kämpfe zwischen Fürsten, Adel und Städten. 357 
Indem nun aber diese Politik allein auf den Zusammen⸗ 
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stellt war, zeigte sie zugleich die bedenklichen Schwächen, die 
jedem so gearteten Machtbereich in einem Zeitalter anhaften 
mußten, das noch nicht den rein staatlichen Charakter der mo— 
narchischen Gewalt und damit das Erstgeburtsrecht für die 
Nachfolge in der Herrschaft kannte. Starb Karl, so lag die 
Gefahr vor, daß sein mühsam erworbenes Reich zerfiel; in 
der That haben später der erste Sohn Wenzel Böhmen und 
Schlesien nebst der Anwartschaft auf Luxemburg, Sigmund 
Brandenburg, Johann Görlitz, die Neffen Jost Prokop und 
Sobieslaw Mähren geerbt. Wie wäre nun trotz dieser nicht zu 
umgehenden Aussicht die Einheit des Ganzen zu wahren ge— 
wesen? Es war dasselbe Problem, das sich Karl dem Großen 
und seinem Sohne vor mehr als einem halben Jahrtausend 
für das Reich der Franken aufgedrängt hatte. Karl IV. suchte 
es in verwandter Weise, wie sie, zu lösen. Wenzel sollte die 
deutsche Königswürde und mit ihr die Kaiserwürde erhalten; 
damit sollte er über seine Brüder steigen und gleichsam im 
Sinne eines moralischen Erstgeburtsrechts das ganze luxem⸗ 
burgische Erbe beherrschen. So wurde Karl aus Rüchksichten 
der Hausmachtspolitik zum emsigsten Beförderer der deutschen 
Königswahl seines Sohnes. 
Wenzel war am 26. Februar 1861 geboren. Kaum war 
er zwölf Jahre alt, so begann Karl für ihn zu werben. Und 
in der That war Eile und Anstrengung nötig; denn der Fall 
war schwer. Wie lange war es her, daß man einen König 
bei Lebzeiten eines anderen Königs oder auch eines Kaisers 
gewählt hatte! Und wie jung war der Kandidat! Und die 
Rechtsmeinung der Zeit lautete dahin, daß der Grundsatz der 
Wahl überhaupt nicht gestatte, den Sohn auf den Vater folgen 
zu lassen. 
Gleichwohl gelangte Karl zum Ziele. Er machte Stim⸗ 
mung für die Wahl bei den Städten. Er wußte die wichtigsten 
nichtkurfürstlichen Fürstengeschlechter durch Geld und Vorteile 
seinem Anliegen guünstig zu stimmen. Er gewann endlich, frei—
	        
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