38
schon früh, den Hauptstrom der Auswanderer über Bremen zu
lenken (»Einige Worte über Bremens Handel. Von einem Bremer
Kauf manne« [F. A. Delhis]. Bremen, 1841; S. 5). Dazu kam,
daß Bremen schon damals für die beiden derzeitigen Haupterzeug
nisse der Union, Tabak und Baumwolle, einen nennenswerten
Markt hatte, während Hamburg mehr den Handel mit »Kolonial
waren« aller Art pflegte und vornehmlich Rohzucker und Kaffee
einführte. Darum war es natürlich, daß (Neubauer, Der Nord
deutsche Lloyd; 50 Jahre seiner Entwicklung. Leipzig, 1907,
S. 6/7) »die Schiffahrt über Bremen nach Amerika in jener Zeit
einen breiteren Raum für sich beanspruchte als die Schiffahrt
über Hamburg. Bis in die Mitte der 50 er Jahre des vorigen
Jahrhunderts ist dies Übergewicht sehr erheblich geblieben. 1854
beispielsweise gingen von der Weser 382 Schiffe mit 174600
Registertonnen nach Nordamerika, von Hamburg 147 Schiffe mit
50000 Registertonnen.« Die Auswanderertransportverhältnisse
Hamburgs waren damals so mangelhaft, daß verschiedene deutsche
Regierungen direkt vor ihnen warnten und ihren Untertanen den
Weg über Bremen empfahlen. So kam eins zum andern: an den
Auswanderern hatten die Schiffe genügende und lohnende Aus
fracht, und schon dadurch waren sie in den Stand gesetzt, auch
die Rückfrachten niedrig zu stellen und sich die wertvollen Trans
porte zu sichern. Der Aufschwung, den die bremische Tabak-
und Baumwolleneinfuhr damals nahm, hat bis heute angehalten.
Bremen ist der größte Weltmarkt für Tabak. Wichtiger aber
noch ist die Stellung, die es sich als Baumwollmarkt errang, ob
wohl es als solcher hinter Liverpool zurückstehen muß.
In Tabelle 13 gebe ich eine Übersicht über den Verkehr
Hamburgs und Bremens mit der Union unter besonderer Berück
sichtigung der Baumwolle.
Die ungeheure Steigerung der Baumwolleinfuhr Bremens
im Gegensatz zu der zwar auch gestiegenen, sich aber doch in
beschränkten Grenzen haltenden Hamburgs kommt zu vollem
Ausdruck. Bremen führt jetzt alljährlich für eine halbe Milliarde
dieses wichtigsten Rohstoffes ein. Das sind Zahlen, auf die es
stolz sein kann. Der Baum Wollhandel ist es denn auch, auf den
immer verwiesen wird, wenn man Bremens »glanzvolle Entwick
lung« preist. Er ist in der Tat das Rückgrat der Stadt. Betrug
der Wertprozentanteil der Baumwolle an der gesamten außer
deutschen Einfuhr Bremens i. J. 1888 schon 23 so schnellte
er 1908 bis fast genau zur Hälfte hinauf 1 Anders ausgedrückt: