38
vollkommen. In geschliffenem Glas leisten die amerikani
schen Werkstätten Hervorragendes und führen selbst bei
verhältnismäßig teuren Preisen bereits jetzt nicht unerheb
liche Mengen nach Europa aus.
Auf der andern Seite ist der augenblickliche Inland-
Bedarf auf manchen Produktionsgebieten ein so überragender,
daß man an den Export überhaupt nicht denken kann. Dazu
kommt, daß man vielfach in den mittleren Betrieben die
richtigen Exportbeziehungen erst zu organisieren und auf
zubauen anfängt.
Auf die Frage, wie Deutschland wohl ohne amerikanische
Rohbaumwolle auskommen wolle, ist diesseits mit der Gegen
frage geantwortet worden, an wen die Amerikaner ihre
Baumwolle verkaufen wollten, wenn Deutschland in abseh
barer Zeit in der Lage wäre, sich in erhöhtem Maße aus
altenProduktionsländern oder aus neuen Produktionsgebieten,
nach Fertigstellung der Bagdadbahn, zu versorgen. „An
niemanden,“ erwiderte mir ein New Yorker Kaufmann, „wir
verarbeiten die Rohbaumwolle einfach selbst und werfen
die Fabrikate auf den Weltmarkt.“ — Das ist eine jener
„titanischen“ Übertreibungen, die sicher nicht ganz ernst
genommen sein wollen. Ein in seinem Urteil abgeklärter,
hervorragender Sachverständiger auf dem Gebiet des Baum-
wollenwaren-Gewerbes sagte mir aber: „Wir könnten schon
jetzt viele Artikel nach Europa bringen, mit Nutzen selbst in
die durch Zölle geschützten Länder. Wir tun es aber nicht, da
der europäische Kaufmann viel eigener ist, selbst bei billiger
Ware, als seine Kollegen anderwärts. Er hat wohl mehr
Zeit, die Waren zu prüfen und so etwaige Mängel heraus
zufinden. Kleinigkeiten, gegen die er Einspruch erhebt, über
sehen wir gewöhnlich, vielleicht weil die zum Grübeln und
Fehlerfinden aufgewandte Zeit für uns größeren Wert hat,
als eine Reklamation einbringen kann.“