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Drittes Kapitel.
Die moderne Gesellschaft, die schon in ihren Kinderjahren den Plu-
lus [den Gott des Reichtums] an den Haaren aus den Eingeweiden
der Erde herauszieht,® begrüßt im Goldgral die glänzende Ver-
kör Perung ihres eigensten Lebensprinzips.
Die Ware als Gebrauchswert befriedigt ein besonderes Bedürfnis
und bildet ein besonderes Element des stofflichen Reichtums. Aber
der Wert der Ware mißt den Grad ihrer Anziehungskraft auf alle
Elemente des stofflichen Reichtums, daher den gesellschaftlichen
Reichtum ihres Besitzers. Dem barbarisch einfachen Warenbesitzer,
Selbst einem westeuropäischen Bauer, ist der Wert unzertrennlich
Yon der Wertform, Vermehrung des Gold- und Silberschatzes daher
Wertvermehrung. Allerdings wechselt der Wert des Geldes, sei es
infolge seines eigenen Wertwechsels, sei es des Wertwechsels der
Waren. Dies verhindert aber einerseits nicht, daß 200 Unzen Gold
üach wie vor mehr Wert enthalten als 100, 300 mehr als 200 usw.,
Aoch anderseits daß die metallene Naturalform dieses Dinges die
allgemeine Aequivalentform aller Waren bleibt, die unmittelbar
Sesellschaftliche Verkörperung aller menschlichen Arbeit. Der Trieb
der Schatzbildung ist von Natur maßlos. Qualitativ oder seiner
Form nach ist das Geld schrankenlos, das heißt allgemeiner Reprä-
Sentant des stofflichen Reichtums, weil in jede Ware unmittelbar
Unsetzbar. Aber zugleich ist jede wirkliche Geldsumme quantitativ
deschränkt, daher auch nur Kaufmittel von beschränkter Wirkung.
Dieser Widerspruch zwischen der quantitativen Schranke und der
Talitativen Schrankenlosigkeit des Geldes treibt den Schatzbildner
Stets zurück zur Sisyphusarbeit [zur endlos sich erneuernden Arbeit]
der Akkumulation [der Ansammlung und Aufspeicherung von Gold
And Silber]. Es geht ihm wie dem Welteroberer, der mit jedem
%6uen Land nur eine neue Grenze erobert.
Um das Gold als Geld festzuhalten und daher als Element der
Schatzbildung, muß es verhindert werden zu zirkulieren oder als
Kaufmittel sich in Genußmittel aufzulösen. Der Schatzbildner
’Plert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst
Mt dem Evangelium der Entsagung. Anderseits kann er der Zir-
“Wation nur in Geld entziehen, was er ihr in Ware gibt. Je mehr
dr Produziert, desto mehr kann er verkaufen. Arbeitsamkeit, Spar-
eemkeit und Geiz bilden daher seine Kardinaltugenden, viel ver-
äufen, wenig kaufen, die Summe seiner politischen Oekonomie.**
6 Neben der unmittelbaren Form des Schatzes läuft seine ästhe-
"che Form, der Besitz von Gold- und Silberwaren. Er wächst mit
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3 % „Die Habsucht hofft den Plutus selbst aus dem Innern der Erde
Mporzuziehen.“ (Athenaeus: „Deipnosophistai.“)
di * „Die Zahl der Verkäufer jeder Ware nach Möglichkeit zu erhöhen,
im Zahl der Käufer nach Möglichkeit zu vermindern, das sind die Angeln,
M die sich alle Maßregeln der politischen Oekonomie drehen.“ (Verri:
Den itazioni sulla Economia Politica“, in der Ausgabe der italienischen
°Bomen von Custodi, Parte Moderna, vol. XV, p. 52.)