trachten können? An sich ist sie und besonders
ihre markanteste Figur, David Ricardo, ein gutes
Beispiel für jene Art von Fortschritt, welche ich
soeben skizzierte. Er nahm das Wissen des 18. Jahr
hunderts aus der Hand Adam Smith’ und stürzte
sich in das Tatsachen- und Gedankenmeer des Wealth
of Nations. Er faßte seiner Anlage entsprechend das
theoretische Knochengerüst der Sache an und fand
es ungenügend. Und ohne ein Wort der Gering
schätzung zu sagen, ohne auch nur von einem Gegen
satz zu sprechen, suchte er es zu einem widerspruchs
losen Ganzen umzuformen. Allein — ist das nicht
eine Ausnahme gewesen, die der Sturm der neuen
Zeit schließlich vernichtete? Ist es nicht trotzdem
eine große Wahrheit, daß die im 18. Jahrhundert
eingeleitete Entwicklung mit rauher Hand unter
brochen, die sprossende Knospe geknickt wurde und
man von neuen Gesichtspunkten von Neuem begann
— wenn auch im Anschluß an Ansätze, die sich schon
früher zahlreich gezeigt hatten ? In der Tat, eine Re
aktion gegen die ganze Geistesrichtung des 18. Jahr-
hunderts trat ein, laut und deutlich genug. Warum?
Nun, da müssen wir uns vor allem wieder vor
dem, für alles ideengeschichtliche Verständnis so ver
derblichen Irrtum hüten, von der „Geistesrichtung“
einer „Zeit“ in einem anderen Sinn als dem einer
Fiktion zu sprechen. Nicht nur keimen in jeder Zeit
zugleich zahllose Pflanzen, die sich nicht alle mit
einander vertragen, nicht nur koexistieren jeweils
zahllose Strömungen, die einander entgegenarbeiten,
sondern auch in der einzelnen Strömung sieht die