Contents: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

Temperament und mit Prophetengeste — und siehe 
da, die Welt klatschte Beifall! Und heute noch kann 
man so die billigsten Lorbeeren ernten. 
Ähnliches gilt von den Romantikern. Wer 
möchte diese mächtige Bewegung in unserer Lite 
ratur missen, wer ihre Bedeutung für unser Geistes 
leben leugnen? Nur griff sie gelegentlich in die 
Speichen des wissenschaftlichen Rades — und das 
Resultat war die unbefangene Verkündigung vor 
wissenschaftlicher Denkweisen. Aber das änderte 
nichts am äußeren Erfolg. Und die Romantiker 
konnten ihre geliebte Entdeckung des Volksgeistes 
— die Auffassung des Volkscharakters in seiner Ein 
zigartigkeit, in seiner lebenden, wirkenden, einheit 
lichen, unanalysierbaren Realität — nach Gefallen 
paradieren. An sich ein wertvoller Gedanke, wenn 
auch nur die Tür zu einem Problem, wurde er in 
ihrer Hand eine Phrase oder ein metaphysischer 
Schnörkel. Wie immer der forschende Geist auf 
steilem, schlüpfrigem Pfad einen Schritt zu machen 
versuchte, da hielten sie ihm ihren Volksgeist wie 
ein Medusenhaupt entgegen — und damit glaubte 
man alles getan zu haben. Wenn Aristoteles das 
erlebt hätte, er wäre geheilt worden vom Glauben, 
daß alle Menschen rov eldevai ögtyovzai (pvaei. Auch 
das wissenschaftliche Denken also ging durch eine 
Krise: „Alles wehrte sich gegen das Neue und 
strebte zurück nach alten Denkformen, die, schein 
tot durch hundert Jahre, auf einmal wieder Kraft und 
Leben gewannen. Und auch für das wissenschaftliche 
Leben — wie für die öffentliche Meinung jener Zeit
	        
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