Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Städtisches Dasein und bürgerliche Gesellschaft. 218 
Mauer erhöhte, vertiefte und verbreiterte man zugleich den 
Graben und warf mit dem ausgehobenen Erdboden ein Glacis 
auf. Nur selten und meist nur an den Hauptstraßen wurde 
die Mauer durch Thore unterbrochen; sie galten für die gefähr— 
lichsten Stellen der Befestigung und wurden deshalb besonders 
verstärkt. An beide Seiten des Spitzbogenthors schob sich ein 
mächtiger Turm an, nicht selten wurde dies Ganze noch von 
einer neuen nach der Stadt zu liegenden Befestigung aufge— 
nommen, auch die Zugbrücke und das Fallgatter hinter dem 
eisenbeschlagenen Thore fehlte nicht: so entstand eine förmliche, 
namentlich im Gebiet der nordischen Ziegelarchitektur zum 
Prachtbau entwickelte Thorburg. Demgemäß heißen die Befehls⸗ 
haber der einzelnen Thore in den meisten Städten Burggrafen. 
Es sind vom Rate eigens angenommene und besoldete Kriegs— 
leute, häufig Adelige der weiteren Umgegend, stets waffengeübte 
Männer, deren Handwerk der Krieg ist. Unter ihnen steht eine 
— 
der Thortürme aufgestellt bei Gefahr ins Horn stößt; die Thor⸗ 
knechte, gemeine Kriegsleute, welche stets gegenwärtig den Ver— 
kehr im Thore regeln und unter Umständen dem Finanzbeamten 
für die Thorzölle, meist Thorschreiber genannt, zu helfen haben; 
endlich für den häufigen Fall, daß mit dem Thore ein Ge— 
fängnis verbunden ist, die Gefangnenwärter für diejenigen, 
welche die Herren vom Rate unten in den Turm gelegt haben. 
Neben dieser außerordentlich schwachen regulären Besatzung 
gab es in Friedenszeiten meist nur noch Kontrollposten längs 
der Stadtmauer, welche den Bürgern in täglichem Wechsel ent— 
nommen wurden. Ihre Aufgabe bestand in einem regelmäßigen 
Rundgang um die Mauer, namentlich während der Nacht; es 
waren dazu eigene Pfade an der inneren Seite der Stadtmauer 
angelegt. Allein bald zeigte sich, wie wenig genügend eine 
solche Einrichtung sei; die Anlegung des Pfades erforderte 
kostspieligen Grunderwerb, und die Posten sahen von dem, was 
außerhalb der Mauer vorging, wenig oder nichts. Der Ge— 
danke, den Postengang auf die Mauer selbst zu verlegen, ergab 
sich leicht; man verdickte zu diesem Zweck entweder die Mauer
	        
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