fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

134 Elftes Buch. Drittes Kapitel. 
politischen Vorgänge aber bieten weder diese Mehrheit, noch 
liegen sie so deutlich beglaubigt vor, daß sie die innersten Motive 
und Strebungen der Handelnden jemals anders als vermutungs— 
weise zu rekonstruieren gestatten. So wird die politische Ge— 
schichtsschreibung, wenigstens bei eingehenderer Darstellung, 
niemals eines romanhaften Zuges entbehren; sie wird immer 
eine, wenn auch noch so spät geborene Enkelin sein der Sage. 
Fur das kulturgeschichtliche Gebiet dagegen ließe sich eine Zukunft 
vorstellen, die auf dem Wege psychologisch induktiver Durch— 
arbeitung eines massenhaften in sich wesentlich gleichartigen 
Materiales zu vollkommneren wissenschaftlichen Wahrheiten führen 
würde; und von ihrem Emportauchen müßte ein neues Zeitalter 
der Geschichtswissenschaft erwartet werden. 
III. 
Führten in der Schweiz Vorgänge, die sich anfangs in 
den kleinsten Kreisen geschichtlichen Lebens fast unbeachtet ab— 
spielten, schließlich zu einem neuen und eigenartigen Staatsgebilde, 
so verlief die Entwicklung am Unterlauf des Rheines bis auf 
einen gewissen Grad völlig entgegengesetzt. Hier war die 
zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts weithin aufs wildeste 
bewegt!. Fürst kämpfte gegen Fürst; fast nirgends in den 
mächtigen Territorien vom Armelkanal bis zu den westfälischen 
Bergen herrschte Friede. In Flandern erlebte man Zwist 
zwischen den Söhnen der Gräfin Margaretha aus erster und 
zweiter Ehe. Weiter östlich zog der limburgische Erbfolge— 
streit fast alle Länder an Maas und Rhein in seine Wirbel: 
die Prätendenten Graf Reinald von Geldern und Graf Adolf 
von Berg gewannen vor allem die mächtigsten Fürsten, den 
Erzbischof von Köln und den Herzog von Brabant; und erst 
nach langjähriger Fehde zwischen ihnen und ihren Bundes— 
genossen kam es bei Worringen am Rhein am 5. Juni 1288 
zu einer Schlacht, in der die bergisch-brabantische Partei siegte. 
Den Ausschlag für den Abschluß aller limburgischen Händel 
mZur früheren Entwicklung vgl. Band III S. 304 f.
	        
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