Full text : Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

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Bernhard Harms

Tatsache, die auf Strukturwandlungen im Welthandel zurückzuführen
ist. Gewisse Rückschlüsse läßt auch die Beobachtung zu, daß der Suezkanalverkehr
 von 1921 bis 1925 um 50 %, derjenige des Panamakanals
um 100 °% gestiegen ist. Die Statistik des Panamakanals ist besonders
lehrreich für die Aufdeckung von Richtungsveränderungen. Gegenüber
einer Vermehrung der Welttonnage von annähernd 15 %, (1921—1025)
ist der Panamakanalhandelsverkehr in Richtung Ostküste Vereinigte
Staaten — Westküste Südamerika um 54 %,, Europa — Westküste Südamerika
 um 83 %, Westküste Vereinigte Staaten — Europa um 23 Yo
der Verkehr zwischen den Küsten der Vereinigten Staaten um 540 %,
der Verkehr zwischen der Ostküste der Vereinigten Staaten und dem
Fernen Osten um 10%, gestiegen. Hierbei ist auf einen bemerkenswerten
 Vorgang aufmerksam zu machen. Die Intensität der durch
den Panamakanal geleiteten amerikanischen Küstenschiffahrt ist bisher
hauptsächlich durch den Tankerverkehr bestimmt worden. Dieser
hat jedoch in den letzten Jahren abgenommen, weil die Rohölverschiffungen
 durch den Kanal aus Kalifornien und Mexiko nachgelassen
haben, was damit zusammenhängt, daß vor allem in Kalifornien der
Frachtersparnis halber die Öle an Ort und Stelle raffiniert werden.
Die grundsätzliche Bedeutung dieses Vorganges wird uns in anderm
Zusammenhang zu beschäftigen haben.
Endlich sei darauf hingewiesen, daß der Ausbau der amerikanischen
Handelsflotte auf die Intensivierung der Schiffahrtsbeziehungen überhaupt
 Einfluß gehabt hat. Als Beispiel mag Vorderindien genannt sein,
mit dem die Vereinigten Staaten vor dem Kriege einen monatlichen
Dienst unterhielten, während 1925/26 monatlich annähernd sechs bis acht
Linien dorthin verkehrten. Daß dies u. a. durch die schon erwähnten Roheisentransporte
 aus Indien bedingt ist, braucht hier nur angedeutet zu
werden. Der Panamakanal hat die verkehrsgeographische Lage der
Vereinigten Staaten in mehr als einer Beziehung günstig beeinflußt.
In Betracht kommt schon, daß der Osten Amerikas den Rohstoff- und
Absatzgebieten Indisch- und Ostasiens näher gerückt ist; von größerer
Bedeutung aber ist die durch den nassen Verkehr bewirkte Intensivierung
der Beziehungen zwischen der Ost- und der Westküste der Vereinigten
Staaten. Was den »Fernen Westen« an sich betrifft, so bereitet sich dort
ein Strukturwandel großen Stils vor. Es muß damit gerechnet werden,
daß in diesem vor einem Jahrzehnt noch rein agrarischen Wirtschaftsraum
 im Laufe des nächsten Menschenalters, nicht zuletzt auf Basis der
kalifornischen Ölfelder, der indischen Roheisengewinnung und der durch
den. Panamakanal näher gerückten Baumwollfelder der Südstaaten der
Union, eine durchgreifende Industrialisierung Platz greifen wird, deren
unmittelbare weltwirtschaftliche Auswirkung sich im westlichen Kanada.
            
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