Strukturwandlungen der Weltwirtschaft
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seits die Abwanderung aus Europa, die seit Menschenaltern als »natürlich«
angesehen wurde, ins Stocken geraten ist, anderseits gewisse Veränderun-
gen in der Richtung Platz gegriffen haben. Hier ist vor allem zu denken
an die italienische Invasion in Frankreich und die planmäßige Leitung
des Auswandererstromes nach Tunis. Ein Problem für sich! Von nicht
geringerer Bedeutung ist, daß die italienische Auswanderung nach den
südamerikanischen Staaten, die dringenden Bedarf an Arbeitern haben,
wieder stärker in Fluß gekommen ist. Es muß damit gerechnet werden,
daß die Bevölkerung der südamerikanischen Staaten künftig noch viel
ausgeprägteren italienischen Einschlag erhalten wird, als es heute schon
der Fall ist. Daß dies auf weite Sicht zum mindesten wirtschaftliche
Konsequenzen hat, ist wahrscheinlich und liegt durchaus im Sinne der
Expansionspolitik Mussolinis. Im übrigen darf ich wohl annehmen, daß alle
diese Probleme in der morgigen Verhandlung ausführlich erörtert werden.
Damit sei auch dieser Faden abgerissen.
IV.
Schlußfolgerungen zu ziehen, ist nunmehr die Aufgabe. Im einzelnen
ist es zwar schon während der Darlegungen selbst geschehen, doch bleibt
zweierlei zu tun übrig. Einerseits ist die Problematik, die das Verhältnis
von Krisis, Strukturwandlungen und Konjunkturschwan-
kungen birgt, zu beleuchten, anderseits bedarf noch jenes Problem
einer abschließenden Betrachtung, das sich aus dem Verhältnis von
Sonderraum und Gesamtraum ableitet.
I. Zu Beginn meines Vortrages habe ich den Begriff der Krisis in
Beziehung auf die heutige Lage der Weltwirtschaft so gedeutet, daß
darunter alle tiefgreifenden Proportionsverschiebungen und Neubil-
dungen im internationalen Wirtschaftsleben verstanden werden, denen
zufolge bisher aufeinander eingespielte Kräfte sich im Widerspruch be-
finden. Daß solche tiefgreifenden Verschiebungen und Neubildungen
stattgefunden haben und ein Widerstreit ehemals, zwar nicht im Gleich-
gewicht gelegener, aber aufeinander eingespielter Kräfte Platz gegriffen
hat — dafür ist mein Vortrag ein einziger Beweis gewesen, so daß die
Schürzung dieser Fäden zum Knoten sich erübrigt. Offen aber bleibt die
Frage, ob und inwieweit als Ursache einer so verstandenen Krisis der
Weltwirtschaft neben den Strukturwandlungen die typischen, bei
bestimmter Anordnung der ökonomischen Daten sich stets neu bedingen-
den Konjunkturschwankungen wirksam sind. Diese Problematik
1 Daß die Veränderungen im Geldwesen und in der Preisbildung unter den
Strukturwandlungen nicht erwähnt sind, hat seinen Grund u. a. darin, daß ihre
Analyse (z. B. ob ein Umschwung dauernder oder vorübergehender Natur ist) den Rahmen
des Vortrages gesprengt haben würde.