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Bernhard Harms
repräsentativen Faktoren, damit ihre Ergebnisse nicht nur »an sich«
richtig sind, sondern auch in Übereinstimmung stehen mit den Grund-
zügen des tatsächlichen Wirtschaftsablaufs! Die Theorie selber trägt die
Beweislast dafür, daß ihr solches zu erreichen möglich ist.
Aber selbst wenn ihr dieser Beweis gelingt — und bis heute ist sie
ihn trotz aller im einzelnen erzielten Erkenntnis noch schuldig geblieben —,
zweifle ich daran, daß durch jene konjunkturtheoretische Forschung
jemals eine wirtschaftliche Gesamtsituation erklärt oder gar eine
Konjunktur prognostiziert werden könnte. Selbst unter sonderraumwirt-
schaftlichem Gesichtspunkt ist dies nicht möglich. Denn das, was der
Konjunkturtheoretiker etwas verächtlich »zufällige Ursachen« nennt, spielt
heute innerhalb der Volkswirtschaft eine so durchschlagende Rolle, daß
man eher zu sagen geneigt ist, es dürfe daneben auch der Kreislauf und
das ihm Immanente nicht unbeachtet bleiben.
Der typische Phasenzyklus und in ihm der Konjunkturablauf
läßt nur solche Erklärung zu, für die alles wirtschaftsbestimmende Ge-
schehen durch das Medium von Preisen und Größenverhältnissen gesehen
und in quantitativ mechanistischen Tauschbeziehungen aufgefangen wird.
Unter diesen Voraussetzungen aber können wesentliche Erscheinungen der
modernen Sonder- und Gesamtraumwirtschaft, kann gerade das, was gegen-
über den Systemen der Reinen und zum Teil nur statischen Theorie deren
Individualität ausmacht, was Träger der wirtschaftlichen Entwicklung,
der aktuellen wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Kämpfe ist,
von der Konjunkturtheorie überhaupt nicht berücksichtigt werden.
Unvollständige Erfassung der Wirklichkeit — inwieweit methodisch
bedingt, bleibe hier dahingestellt — wird der heutigen Konjunktur-
theorie bei der Aufhellung konjunktureller Tatbestände zum Verhängnis.
Mit dem Hinweis auf »Anomalien« ist nicht gedient, wenn diese die Norm
der Erfahrungswelt sprengen. Es sei daran erinnert, daß Kartelle und
Trusts heute die Preisbildung in die Hand nehmen und die mecha-
nistischen Marktreaktionen zwischen Angebot und Nachfrage bewußt
beeinflussen, daß nicht zuletzt die nationale Wirtschaftspolitik den Ab-
lauf der Gesetze des freien Marktes stört. Man denke weiter daran,
daß die Konjunkturpolitik das »ceteris paribus«, die Vorbedingung für
den Eintritt von prognostizierten Wirtschaftserscheinungen, aufhebt und
damit zwar nicht die der theoretisch behaupteten Gesetzmäßigkeit zu-
grunde liegenden Deduktionen Lügen straft, wohl aber deren praktischen
Erklärungswert — solange nämlich »Imponderabilien«, die den Ein-
tritt der gesetzlich notwendigen Erscheinungen hindern, den Erfolg be-
stimmen.
Was aber die Hauptsache ist: Raumwirtschaftliche Konjunktur-
schwankungen können in der Regel schon um deswillen nicht typisch im