a8 für Ostpreußen sehr viel schwerer sein, Anleihen zu erhalten, als für alle
anderen Provinzen, deren finanzielle Leistungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit
nicht durch die Abtrennung vom Reiche so stark herabgesetzt ist. Andererseits
ist gerade für Ostpreußen die schnelle Anpassung seiner Straßen an den Kraftwagenverkehr
eine Lebensfrage, da der Kraftwagen in einem dünn bevölkerten,
vorwiegend landwirtschaftlichen Gebiet mit einem weitmaschigen Eisenbahnnetz
eines der besten Hilfsmittel für die Erhaltung; der gefährdeten Wettbewerbsfähigkeit
und für die Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung bildet. Somit
muß gerade hier alles geschehen, um den Kraftwagenverkehr zu erleichtern und
auch die entlegensten Teile der Provinz für Kraftwagen zugänglich zu machen.
Die große Bedeutung, die hiernach in Ostpreußen dem Straßenwesen zukommt
und hier. noch durch Gründe der Landesverteidigung mehr wie in anderen Teilen
des Reichs verstärkt wird, zwingt dazu, wesentlich größere Mittel als bisher für
die Unterhaltung der Straßen und ihren Ausbau zur Anpassung an den Kraftwagenverkehr
verfügbar zu machen. Provinz und Kreise haben indessen ihre
Finanzkraft für das Straßenwesen bereits so weit angespannt, wie es nur irgendmöglich
war. Höhere Summen als bisher können in Ostpreußen für die Unterhaltung
und den Ausbau der Straßen keinesfalls aufgebracht werden, da die Bevölkerung
Ostpreußens die geringste finanzielle Leistungsfähigkeit, verglichen mit
der aller anderen preußischen Provinzen sowie aller deutschen Länder, aufweist und
trotzdem die Provinz Ostpreußen schon jetzt die im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit
höchsten Provinzialabgaben innerhalb Preußens erhebt. Sollen daher die
Provinzialstraßen auch in Ostpreußen den neuzeitlichen Anforderungen des Kraftwagenverkehrs
angepaßt werden, was unbedingt nötig ist, damit diese Provinz in
ihren Verkehrsverhältnissen nicht weit unter den Stand der anderen Provinzen
herabsinkt, so muß Ostpreußen außer seinem schlüsselmäßigen Anteil am Ertrage
der Kraftfahrzeugsteuer, der fast nur für die durch den Kraftwagenverkehr ganz
bedeutend verteuerte, vermehrte Unterhaltung der Provinzialstraßen ausreicht,
noch eine Sonderzuweisung — ein Voraus — aus dieser Einnahmequelle erhalten,
um den notwendigen Ausbau der Straßen mit neuzeitlichen Bauweisen durchführen
zu können.
Die erwähnten ungünstigen natürlichen Vorbedingungen und die geschilderte
geschichtliche Entwicklung haben dazu geführt, daß das Straßennetz der Provinz
Ostpreußen in seiner Länge hinter dem der übrigen preußischen Provinzen stark
zurückgeblieben ist. Ostpreußen besitzt insgesamt (Provinzial- und Kreisstraßen)
pur rund 10000 km Straßen mit kunstgerecht befestigter Steinbahn. Soll das
ostpreußische Straßennetz eine gleiche Engmaschigkeit erlangen, wie sie im Durchschnitt
der preußischen Provinzen bereits vorhanden ist, so müssen in Ostpreußen
noch weitere 6000 km Kunststraßen gebaut werden; das Straßennetz ist also um
50 % seines Bestandes zu vermehren. Diese bedeutende Vermehrung ist naturgemäß
nur in einem längeren Zeitraume möglich. Soll sie in den 30 Jahren von 1930
bis 1959 zur Durchführung gelungen, so müssen jährlich 200 km neue Kunststraßen
gebaut werden. Es würde dann Ostpreußen erst im Jahre 1960 ein ebenso
engmaschiges Kunststraßennetz besitzen, wie es in den Provinzen Niederschlesien
und Sachsen schon ein Menschenalter früher bestand. Da die Straßen der anderen
Provinzen bis zum Jahre 1960 ebenfalls wieder stark vermehrt sein werden, wird
Ostpreußen trotzdem auch im Jahre 1960 immer noch erheblich unter dem dann
erreichten Durchschnitt in der Engmaschigkeit des übrigen preußischen Straßennetzes
zurückstehen.
Die Vermehrung der Straßen um 6000 km ist um so dringlicher, als Ostvreußen
auch in seiner Ausstattung mit Eisenbahnen weit unter dem Durchschnitt