Object : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Sie  belief  sich  im  Jahre  1890
auf  3713,  im  Jahre  1905  auf
3287  Personen.  Der  Rückgang
entfällt  jedoch  erst  auf  die  zweite
Lälfte  der  fiinfzehn  Jahre.  In
der  ersten  Zeit  findet  im  Gegenteil ­
  noch  Zunahme  statt,  und
zwar  so  erheblich,  daß  1892
4364,  1893  sogar  4663  Personen ­
  unter  Kontrolle  standen.
Seit  Ende  des  Jahrhunderts
aber  geht  die  Zahl  der  „Kontrollmädchen"
  ununterbrochen  zurück. ­
  Von  1901  ab  ist  die
Entwickelung  die  folgende:
Unter  fittenpolizeiliche  Kontrolle ­
  waren  gestellt

flrbcitcr=Gc$undl)eit$=ßibliotl)ck
JT  hirftwagegcten  unter  Leitung  van  's
Dr.  mcd.  Zadch  'V

in  der  Arbeiterfamilie

Von
Dr.  3uUan  pVarfeuse

1901  .  .

4147  weibl.  Pers.

1902  .  .

3976  „  „

1903  .  .

3815  „  „

1904  .  .

3709  „  „

1905  .  .

3287  „  „

preis  20  Pfennig

Berlin  1908

Verlag:  Buchhandlung  Vorwärts
lLans  Weder.Berlin)

Berlin  SW.  68

Für  denjenigen,  der  den
Gesundheitsschutz,  den  die  sittenpolizeiliche ­
  Kontrolle  erwirkt  für  zz.  Titelblatt  einer  im  Verlag  der  Buchsehr
  problemattsch,  dre  durch  sie  .  m  ..  ...  ....
bewirkte  moralische  Entwürdi-  ^»"lung  Vorwärts  erschienenen  Broschüre
gung  aber  für  ebenso  zweifellos
wie  ruchlos  hält,  ist  dieser  Rückgang  höchst  erfreulich.  Ob  ihm  ein  ebensolcher
Rückgang  der  weiblichen  Prostitution  überhaupt  entspricht,  muß  dagegen  als
zweifelhaft  bezeichnet  werden.  Die  sogenannte  Sittenpolizei  hat  immer  nur
einen  Teil  der  vom  täglichen  oder  häufigen  Verkauf  ihres  Körpers  lebenden
Frauen  unter  ihre  Kontrolle  genommen.  Wie  viele  sie  hat  laufen  lassen,  weil  ihr
teils  die  Lust,  teils  aber  auch  geradezu  die  Möglichkeit  fehlte,  auf  dem  ihr
unterstehenden  Gebiet  radikal  vorzugehen,  darüber  gehen  die  Schätzungen  auseinander, ­
  doch  herrscht  Einstimmigkeit  darüber,  daß  die  wirkliche  Zahl  der
Prostituierten  die  der  eingeschriebenen  Prostituierten  um  ein  vielfaches  —
manche  nehmen  an,  bis  auf  das  Achtfache  —  übersteigt.  Die  Polizeistatistik ­
  läßt  uns  also  bezüglich  des  wirklichen  Standes  der  Dinge  auf
diesem  Gebiete  im  dunkeln.  Es  sprechen  aber  viele  Amstände  dafür,  daß
die  weibliche  Prostitution  in  Berlin,  wenn  nicht  der  absoluten  Zahl  nach
zurückgegangen,  so  doch  im  Verhältnis  zur  Bevölkemngszunahme  zurückgeblieben ­
  ist.  Ein  erheblicher  Teil  der  engen  Straßen,  die  mit  ihren  verfallenen ­
  Läufern  wahre  Brutnester  der  Prostitution  waren,  sind  von  der
Bildfläche  verschwunden,  dagegen  haben  sich  die  Erwerbsmöglichkeiten  für
Frauen  sehr  bedeutend  vermehrt  und  im  Durchschnitt  auch  etwas  verbessert, ­
  und  damit  hat  sich  das  Selbstgefühl  der  Frauen,  insbesondere  sowei
sie  von  der  Arbeiterbewegung  erfaßt  sind,  ganz  wesentlich  gehoben,
muß  auf  die  Dauer  der  Prostitution,  soweit  sie  sich  aus  diesen  o
            
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