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an Religion den Kindern nicht mehr beigebracht werden
An die Stelle Gottes wird die Menschheit gekommen sein,
an die Stelle der Religion der Dieust der Menschheit, an
die Stelle der Liebe zu Gott, die Liebe zur Menschheit und
zur Natur. Die gewöhnliche gemeinschäftliche tägliche Ar—
beit wird dies Alles bringen
Wir haben also jetzt nachgewiesen, daß die Anschauun—
gen üher die Religion, die einst eine so wichtige Rolle im
menschlichen Geistesleben spielte, sich mit den Produktions—
erhältnissen und durch se ändern. Welche Wandlung!
Der Glaube an einen Ahnherrn, einen Fetisch, einen
Baum, einen Fluß, ein Tier, eine Sonne, einen vergott
lichten schönen, kraftvollen, tapferen Menschen, einen Geist,
einen Vater, einen Herrscher, eine gespenstische Abstraktion,
und schließlich nichts Und doch sind alle diese Aende
rungen eine klare Folge der Aenderungen in der gesell⸗
schaftlichen Lage des Menschen, seiner geüͤnderten Verhalt⸗
nisse zur Natur und zu seinen Mitmenschen
Erste Einwendung.
Sind die gegebenen Darstellungen nicht im Wider—
pruch zur bekannten Regel der Kommunisten: „Religion
ist Privatsache?“, wird vielleicht jemand fragen Nein,
diese Regel besagt nur, daß jede Person in religiösen Din
gen ganz frei ist, und rie und nimmer vom Kommunismus
gezwungen werden wird. Sowie auch nach der russischen
Revolution in Rußland jeder hierin gang frei ist MWer
eben dadurch, wegen dieser vollkommenen Freihei, hat die
ommunistische Partei auch das Recht und die Pfucht,
thegretisch die Religion, die das geistige Bild sst der male
riellen Sklaverei, zu bekämpfen, und ihr jede Unterftuhung
zu enthalten Und dasselbe Recht und dieselbe Pflicht ha
auch der Kommunistische Staat
Zweite Einwendung
Woher kommt es aber, daß, wenn alte Produktions⸗
verhältnisse neuen weichen mußten, dennoch Möe Religio⸗
nen noch lange bestehen bleiben?
Diese Frage muß beantwortet werden, denn diese Tat⸗
sache wird von unseren Gegnern als Enwand gegen uns
benutzt. Die Antwort ist nicht schwierig
Erstens stirbt eine alte Produktsonsweise nie plößlich
ab In früheren Jahrhunderten saand das ußerst langsam
statt, und sogar jezt, während die Großinduftete so rasch
die alte Technik verdrängt, dauert es doch sehr lange, bis
der Kleinbetrieb verschwünden sein wird Es bleib also
noch lange Zeit Raum genug fur die alte Rgion