Full text: Der historische Materialismus

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vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des 
materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen 
gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsberhält— 
nissen erklären. Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, 
bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit 
genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten 
nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingun— 
gen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausge— 
brütet worden sind. Daher stellt die Menschheit sich immer 
nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genaduer betrachtet, 
wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, 
wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vor— 
handen oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen 
sind. In großen Umrissen können afiatische, antike, seudale 
und modern bürgerliche Produktionsweisen als progressive 
Epochen der ökonomischen Gesellschaftsformation bezeich— 
net werden. Die bürgerlichen Produktionsverhältnisse sind 
die letzte antagonistische Form des gesellschaftlichen Pro— 
duktionsprozesses, antagonistisch nicht im Sinne von indi— 
piduellem Antagonismus, sondern eines aus den gesell— 
schaftlichen Lebensbedingungen der Individuen hervor— 
wachsenden Antagonismus, aber die im Schoße der bür— 
gerlichen Gesellschaft sich entwickelnden Produktivkräfte 
schaffen zugleich die materiellen Bedingungen zur Lösung 
dieses Anfagouismus Mit dieser Gesellschaftsformation 
schließt daher die Vorgeschichte der menschlichen Gesell⸗ 
schaft ab“ 
Wie schön mutet jetzt diese Stelle an, jetzt, da die 
xussische Revolution den Kapitalismus zeitweilig schon be— 
siegt hat und die Weltrevolution herannaht. Wie wahr ist 
diese Theorie, wie ist sie durch die Wirklichkeit bewiesen! 
Einen größeren, kräftigeren Beweis als die kommunistische 
Revolution kann es nicht geben. 
Und hier an dieser selben Stelle kann der Arbeiter 
auch sehr deutlich sehen, was man unter „dialektischer Ent⸗ 
wicklung“ versteht Marx sagt: Die Produktionsverhält⸗ 
nisse entstehen aus den Produktivkräften. Solange diese 
dieselben bleiben, fördern die aus ihnen entstandenen und 
mit ihnen übereinstimmenden Produktionsverhältnisse die 
Produktivkräfte. Auf einer bestimmten Stufe ihrer Ent— 
wicklung werden die Verhältnisse aber zu Fesseln der Pro— 
duktivkräfte und werden von diesen zerrissen So zerreißen 
jetzt die Produktipkräfte des Kapitals, das heißt die Prole— 
karier und die Goß Industrie, die alten Produktionsver—
	        
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