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Freimarke,
Weltpost-
verein.
Dostlenrte
Einheitssatz von einem Penny für Briefe bis zu einer halben Unze für
das gesamte Königreich bei Frankierung durch eine Stempelmarke,
während bis dahin ein Brief von einer Unze auf 500 englische Meilen
14 d. zahlen musste. Im Jahre 1840 wurde in der That dieses Ein-
heitsporto in England durchgeführt, und schon nach einem Jahrzehnt
war der Briefverkehr derartig gestiegen, dass die Post wieder Ueber-
;chüsse nahezu in der alten Höhe erreichte. 1849 wurde das Einheits-
porto auch in Frankreich, 1861 in Oesterreich, 1868 im nord-
leutschen Bunde eingeführt.
Hierdurch war nun auch die Vorausbezahlung des Porto ermög-
icht, und wenn auch die Freimarken schon früher, in der Pariser
Stadtpost sogar schon 1853 in Verbindung mit Briefkasten, ange-
vendet worden waren, so sind sie doch erst seitdem zu allgemeiner
Anwendung gelangt und haben sich dann allgemein eingebürgert. Auf
lieser Basis schritt man allmählich immer weiter vor. 1850 wurde
ler deutsch-österreichische Postverein gegründet, durch den sich die
“änder den Wechselverkehr wesentlich erleichterten.
Das Verdienst des Staatssekretärs von Stephan ist es dann ge-
vesen, einen Weltpostverein zustande zu bringen, durch welchen das
£inheitsporto über die Grenzen des Landes hinaus erweitert wurde, und
‚war unter wesentlicher Verbilligung des "Tarifsatzes. Freilich ist es noch
ıcht völlig gelungen die Unentgeltlichkeit des Transits, die von Deutsch-
and beantragt war, für alle Länder durchzusetzen, weil einige Länder sich
n exceptioneller Lage befinden, indem z. B. durch Belgien der Durch-
zangsverkehr ein besonders starker ist, und je nach der Ausdehnung
ler Grenzen und der Grösse der Bevölkerung grosse Verschieden-
heiten vorliegen. Immerhin ist der Weltpostvertrag vo” 1874 in
Jurchgreifender Fortschritt in dieser Hinsicht, indem dadurch die
Korrespondenz mit den entlegensten Ländern in der ausserordentlich-
sten Weise verbilligt wurde. Seit 1893 umfasst der Weltpostverein
(04 Mill. qkm mit 1071 Mill. Einwohnern. Und durch diesen ge-
yaltigen Raum werden Briefe bis zu 15 g# für 25 Cts., Postkarten
ür 10 Cts., Drucksachen, Geschäftspapiere und Warenproben bis zu
50 g zu 5 Cts. befördert. Mit der Einführung der Briefmarke verband
ich ein zweiter Fortschritt, die Einführung der Briefkasten. In dem
teichspostgebiete gab es 1871 24703, 1898 dagegen bereits 94838
3riefkasten.
; Im Jahre 1865 regte der damalige Oberpostrat Stephan die Ein-
ührung der Postkarte an, die 1869 zuerst in Oesterreich auf An-
‚egung Emanuel Hermanns eingeführt wurde und sich bald allge-
nein einbürgerte, Höchst bedeutsam war ferner der Fortfall der Brief-
rägergebühren im norddeutschen Bunde, im Jahre 1871 auch auf
lem Lande. Die Landbevölkerung hatte sehr lange auf den Segen eines
seregelten Postverkehrs warten müssen. In Preussen wurden erst
‚824 Landbriefträger, zunächst versuchsweise, eingeführt und nur sehr
angsam vermehrt. In Frankreich. stellte man 1829 auf einmal 4500
wandbriefträger an, um der Landbevölkerung einen Tag um den ande-
ven Postsachen zukommen zu lassen. Seit 1832 werden dort diese
‘äglich ausgetragen, was in Preussen erst Ende der fünfziger Jahre
Jurchgeführt werden konnte. Besonders seit 1880 ist in Deutsch-
land der Verkehr auch auf dem Lande wesentlich ausgebildet. einmal