Full text: Der historische Materialismus

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Zweite Einwendung. 
Aber es besteht, sagen unsere Gegner, ein allgemeiner, 
allen Menschen eigener Drang nach Erkenntnis! Der 
Drang nach einer bestimmten Erkenntnis möge zeitlich sein, 
der allgemeine Drang ist ewig 
Keineswegs Es gibt Völker, die gar keinen Drang 
nach Erkenntuis haben, die durchaus zufrieden sind mit 
r wengen, das ihre Vorfahren an Wissenschaft hinter⸗ 
ießen 
In einer reichen tropischen Gegend, wo die Natur den 
Einwohnern alles gibt, was sie brauchen, sind sie zufrieden, 
wenn sie Sagopalmen pflanzen können, den Bau einer 
Laubhutte und noch einige uralte überlieferte Beschäftigun⸗ 
gen verstehen In Ländern mit fruchtbarem Boden und 
einer Bauernwirtschaft können die Einwohner Jahr⸗ 
hunderte hindurch in den gleichen Verhältnissen bleiben 
Neue Kenntnisse suchen sie nicht, da die Produktionsverhält⸗ 
nisse sie nicht erfordern. 
Ein einleuchtendes Beispiel, das wir noch zu erwähnen 
vergaßen, bilden auch die Volker, die an großen, regelmäßig 
dus retenden Flüssen Ackerbau trieben, dadurch eine Zeit⸗ 
rechnung brauchten und deshalb die Himmelskörper zu 
studieren genötigt waren 
Es baten die Einwohner von Aegypten, Mesopotamien 
und Chia, die durch den Nil, den Euphrat und den Hoang⸗ 
Ho r Aftronomie kamen. Andere Völker, die die Not⸗ 
Hendigkeit dieser Kenntnis nicht empfanden, kamen nicht 
dazu. 
Es sind also die Produktionsverhältnisse, die zur Kennt⸗ 
ais draͤngen und die Menge und Art der Kenntnis be⸗ 
stimmen. 
Um diese Wahrheit zu sehen, beachte der Arbeiter 
wieder einmal genau seine Umgebung Welche Arbeiter 
sind rührig, wißbegierig, des Dranges voll nach gesellschaft⸗ 
cher Entwicklungs Diejenigen Arbeiter, die durch den 
Produfttionsprozeß die Rolle des Proletariats 
verstehen lernen, das heißt die Arbeiter in der Stadt und 
n der Großindustrie. Die Technik, die Maschine selbst sagt 
ihnen, daß eine sozialistsche Gesellschaft möglich sei; der 
ode Produktionsprozeß vor ihren Augen lehrt sie, daß 
die len Produktionsberhältnisse für die Kräfte der Ma— 
schine zu eug sind, Neue Verhältnisse müssen kommen; als 
Gleichberechtigte sollt ihr selbst die Produktionsmittel be— 
sihen das ist die Sprache, die die moderne Stadt ihnen 
mruft. Und durch diese Sprache des Produktionsprozesses
	        
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