12. Das amerikanische Schutzsystem.
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tennessee, sowie die Zuckerproduktion von Louisiana, in welchen Staaten sie einen festen
Stamm von Wählern hatten, und die Republikaner die kaufmännischen Interessen der
atlantischen Hafenstädte.
Erst bei der Präsidentenwahl von 1888 und dann wieder 1892 wurde der Tarif
eine scharfe Scheidewand zwischen beiden Parteien, 1896 trat er aber hinter die Geld
frage schon wieder erheblich zurück, und niemand kann behaupten, daß die großen
amerikanischen Parteien aus der Lethargie der Prinzipienlosigkeit wirklich und dauernd
erweckt worden seien.
Aus der Haltlosigkeit der Politiker ist der Schluß zu ziehen, daß der Tarif nur
zu leicht ein Kompromiß mannigfacher, zur Zeit einflußreicher Interessen darstellt. Der
Mangel einheitlicher, leitender Gedanken in der Zollgesetzgebung hängt nun aber außer
dem mit staatsrechtlichen Besonderheiten der Llnionsverfassung zusammen. Der Kongreß,
welcher allein befugt ist, Bundessteuern aufzulegen und den Lande! mit fremden Staaten
zu regeln, besteht aus Repräsentantenhaus und Senat. Die Abgeordneten für das
erstere werden alle zwei, für den letzteren alle sechs Jahre gewählt. Der Präsident,
dessen Wahl von vier zu vier Jahren stattfindet, kann alle Gesetze mit seinem Veto
belegen, worauf sie an den Kongreß zurückgehen. Wenn jedoch beide Läufer mit einer
Zweidrittel-Majorität der zurückgewiesenen Vorlage ihre Zusttmmung erteilen, so ist
der Einspruch des Präsidenten unwirksam gemacht. Da nun die Mandatsdauer für
Abgeordnete und Senatoren eine verschiedene ist, außerdem jene aus allgemeinen direkten
Wahlen, diese aus solchen der einzelstaatlichen Parlamente hervorgehen, ferner auch die
Präsidentenwahl eine besondere ist, so ist es verständlich, daß die eine Partei keineswegs
immer über die gesamte verfassungsmäßige Regierungsgewalt verfügen, und daß z. B.
ein demokratischer Präsident ein in der Majorität republikanisches Abgeordnetenhaus
gegen sich, den Senat für sich haben kann. Kommt es nun bei einer solchen Divergenz
zu Verhandlungen über das Zollwesen, so kann jede Partei die Anträge der anderen
niederstimmen. Da nun aber dabei nichts praktisches herauskommen würde, so müssen
gcgenseittg Konzessionen geinacht werden.