Object: Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Aber während Amerika den kritischen Punkt schon vor Jahr 
zehnten überwunden hat, befindet sich Galizien noch in den Ge 
burtswehen. Das neue Kartell (A.-G. f. ö. u. u. M. P.) kann man 
ebensowenig als dauernde und genügende Zusammenfassung der 
widerstrebenden Interessen ansehen wie die früheren. Es besteht 
zwar noch, ein längeres Fortwursteln ist aber ausgeschlossen. 
Immerhin haben die Zusammenschlüsse wenigstens den Erfolg 
gehabt, dass die verlustbringenden Preise während der Zeit ihres 
Bestehens einigen Gewinn lassenden Preisen Platz machten — ein 
Zeichen dafür, dass die ganze Bewegung an sich gesund ist. Man 
kann den Galiziern nur den Rat geben, dass sie auf diesem Wege 
fortschreiten: ernstliche Schritte werden durch erhöhte Produktion 
und durch die Konsolidation aller Verhältnisse belohnt werden. 
Die zerfahrene Lage der galizischen Petroleumindustrie machte 
den Amerikanern ein Eindringen leicht. Ihre Interessen vertritt 
in Oesterreich die Vacuum Oil Co. in Dzieditz. Zurzeit lässt 
sie zwei grosse Raffinerien bauen und hat es erreicht, dass 
die Galizier, dadurch beunruhigt, sich einer Verständigung mit 
ihr geneigt zeigen. Das Abkommen ist 1905 gültig geworden 
und dadurch die galizische Industrie, noch ehe sie Rockefeller 
gefährlich werden konnte, lahm gelegt, um nicht zu sagen: ihm 
befreundet. Nach Zeitungsberichten darf die Vacuum Oil Co. 
allerdings nicht nach Deutschland exportieren, doch war dies 
vielleicht nicht einmal beabsichtigt. Auf jeden Fall kann sie diese 
Bedingung, wenn sie es will, leicht umgehen. 
Auch direkt importiert die ST.O.C. trotz des Einfuhrzolles 
von 13 kr. per 100 kg durch die D.A.P.G. nach Oesterreich jähr 
lich ca. 15000 P'ass (meist hochtestiges Salonöl), um das Kartell 
zu beunruhigen und ihm an der ganzen Grenze die Preise zu ver 
derben — eine Art Repressivmassregel gegen den billigen Import 
galizischen Oeles nach Deutschland. 
Die Beteiligung deutschen Kapitals in Galizien ist eine gering 
fügige. Die Deutsche Bank ist an der »Schodnica« mit 1 350000 
Kronen interessiert, ausserdem sind Delbrück, Leo & Co., Berlin, 
mit ca. i 1 /2 Millionen Mark und kleineres Berliner Kapital mit 
höchstens 500 000 Mark vertreten. Anfang 1906 emittierten dann noch 
W. Mertens & Co., Berlin 4 30000 der neu gegründeten »Siriuswerke« 
(mit bei Oderberg auf deutschem Boden zu erbauender Raffinerie). 
Insgesamt stellt sich also die Beteiligung deutschen Kapitals auf 
nur ca. 7 Millionen Mark. Auch ausserdeutsche Interessen sind
	        
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