EINNAHMEQUELLEN UND FINANZGEBAREN 507
INDIVIDUELLE KAPITALDECKUNG
Gegenwärtiger Wert der Kosten des Risikos
Die Schätzung der Risikokosten beim individuellen Kapital-
deckungssystem erfordert zwei weitere Voraussetzungen als bei der
jährlichen Umlage der voraussichtlichen Ausgaben und meistens
noch eine weitere Voraussetzung.
Zunächst muss man einen Zinssatz wählen, der dem mutmass-
lichen Ertrag der Kapitalanlagen im Laufe der kommenden
Jahre entspricht.
Sodann muss man über eine Sterblichkeitstafel verfügen, die
auf die versicherte Bevölkerung anwendbar ist. Wenn man nun
darangeht, den gegenwärtigen Wert der voraussichtlichen Lasten
zu schätzen, die auf einen Versicherten für seine ganze Existenz
entfallen, so ist es klar, dass dieser Wert von der Lebenshoffnung
dieses Versicherten im Augenblick seines Eintritts in die Ver-
Sicherung abhängt.
Hingegen braucht man bei dem individuellen Kapitaldeckungs-
system. mindestens theoretisch nicht die demographische und
wirtschaftliche Zusammensetzung jeder versicherten Gruppe zu
untersuchen. Man benötigt nur die entsprechenden Angaben für
die Gesamtheit der versicherten Bevölkerung. Mit andern Worten,
bei den Überlegungen, die sich auf tatsächliche, für das Umlage-
system notwendige Vereinigung gründen, ersetzt die Technik
der individuellen Kapitaldeckung überhaupt die Betrachtung
fiktiver Gesellschaften, von denen jede aus Einheiten sich zusam-
mensetzt, die in ähnlicher Weise dem Risiko ausgesetzt sind. Aus
diesem Grund ist dieses System das gegebene für die Privatver-
Sicherung, die keine verlässigen Vermutungen über die Ausdeh-
nung und die Zusammensetzung ihrer Kundschaft haben kann
and ihr einen Tarif auf kaufmännischer Grundlage vorschlagen muss.
Setzen wir einen bestimmten Zinsfuss und eine ausgewählte
Sterblichkeitstafel voraus und betrachten wir einen Versicherten,
der in die Versicherung mit einem bestimmten Alter zum Beispiel
mit 30 Jahren eingetreten ist. Die Verpflichtung des Versicherers
Begenüber dem Versicherten z. B. für das zehnte Jahr, das dem
Eintritt des Versicherten in die Versicherung folgt, entspricht
öffenbar dem Wert eines durch zehn Jahre aufgesparten Kapitals,
das auf einer Person mit gegenwärtig 30 Jahren beruht und dessen
Betrag gleich ist dem Produkt aus der Erkrankungsziffer (in
Krankheitstagen) bei 40 Jahren, und dem täglichen Krankengeld.
Bildet man für alle zukünftigen Jahre die Summe der gegen-
Wärtigen Werte der aufgesparten Kapitalien entsprechend jedem