30 Die Entwicklung der deutschen Portland-Zementindustrie usw.
überall in großer Menge gegründet. Es war nicht gerade
schwer, eine solche Neugründung zu schalten, denn die Roh
materialien waren und sind auch jetzt noch im Überfluß vor
handen und das nötige Kapital war leicht zu bekommen, es
drängte sich direkt zu solchen Anlagen, jeder glaubte, eine
Zementfabrik müßte ein äußerst rentables Unternehmen sein.
Man glaubte allgemein, der Bedarf müßte in derselben Weise
weitersteigen wie bisher, und rechnete auf die Vorlage des Mittel
landkanals mit besonderer Verbrauchszunahme bei dessen Bau.
Die Gründungen und Erweiterungen geschahen so ziemlich zu
derselben Zeit, dadurch war es sehr erschwert, einen Überblick
über die Größe der Erhöhung der Produktionsfähigkeit zu be
kommen, außerdem wollte keiner vor dem anderen zurückstehen.
Erschwerend wirkte auch noch der Umstand, daß Gründungen
i ft von Leuten veranlaßt werden, die die Marktlage garnicht
ennen. Diese Rolle übernehmen häufig Maschinenfabx-iken. Sie
ersprechen auf die Bezahlung der gelieferten Maschinen längere
Zeit warten zu wollen, und übernehmen vielfach auch einen Teil
der Aktien. Es liegt ihnen natürlich nur daran, ihre Maschinen
zu verkaufen, ob die Gründung einer neuen Zementfabrik am
Bedarf gemessen wirklich berechtigt ist, kümmert sie gar nicht.
Es werden dann Prospekte ausgearbeitet, bei denen die günstigsten
Preise und der Absatz der vollen Produktionsfähigkeit als sicher
angenommen werden. Die Gestehungskosten werden auch meist
zu niedrig veranschlagt, so daß dann ganz fabelhafte Erträgnisse
herausgerechnet wurden, wodurch sich der Laie zur Teilnahme
an einem solchen Unternehmen reizen läßt. Sehen wir uns
einmal in Tabelle I das Wachsen der Anzahl der Fabriken im
Vereine deutscher Portland-Zement-Fabrikanten an. Im Jahre
/1895 bestanden 78 Fabriken, 1901 93 und ihre Zahl wuchs im
nächsten Jahre noch auf 96. Hierzu kommen noch die Ver
größerungen der bereits bestehenden Fabriken. Die Produktions
fähigkeit stieg von 1895 bis 1901 von 13,5 auf 25,5 Millionen Faß,
die durchschnittliche Produktionsfähigkeit einer Fabrik also von
173076,9 auf 265 937,5 Faß; selbst wenn sich der Bedarf in nor