Metadata : Das System der Rentengüter und seine Anwendung in Ungarn

vermittelte.  Das  Geschäft  fand  in  der  Weise  statt,  daß  Lawätz
die  Obligationen  von  der  dänischen  Regierung  in  Empfang  nahm
und  sie  an  das  kurfürstliche  Kriegszahlamt  in  Kassel  weitergab.
Rothschild  komplettierte  dem  Bankier  Lawätz  nach  und  nach  die
Leihsumme.  Lawätz  wünschte  aber,  daß  man  mit  Vorsicht  vorgehe:
„Ich  habe  den  Herrn  Rothschild  zwar  immer  ungemein  reell,  prompt
und  des  besten  Zutrauens  völlig  würdig  gefunden.  Sobald  indes
bei  einer  so  bedeutenden  Summe  nur  ein  einzelner  Privatmann  in
Anspruch  kommt,  so  erfordert  die  Natur  der  Sache  einige  Vorsicht.“
Er  verlangte  deshalb,  daß  die  übersandten  Obligationen  vom  Kriegszahlamt ­
  zu  seiner  (Lawätz’)  Disposition  gehalten  und  nur  insoweit
jedesmal  an  Rothschild  ausgefolgt  würden,  als  sie  durch  dessen
Rimessen  an  Lawätz  gedeckt  seien 48 .  In  Wirklichkeit  behielt  natürlich ­
  die  kurfürstliche  Behörde  die  Obligationen  in  Händen  und  folgte
dem  Oberhofagenten  nach  und  nach  die  Beträge  dafür  aus.
Die  erste  Abschlagzahlung  in  bar  betrug  100  000  Rtlr.  und
wurde  am  14.  Februar  1806  genehmigt.  Am  7.  März  wurde  über
10  000  Rtlr.  verfügt,  die  unterm  7.  April  von  Rothschild  an  Lawätz
remittiert  wurden.  Als  das  2.  Departement  des  Kriegskollegiums
am  28.  März  wieder  eine  Abschlagzahlung  von  100  000  Rtlrn.  beantragte, ­
  verfügte  der  Kurfürst,  daß  Rothschild  zunächst  zu  befragen
sei,  ob  er  nicht  leiningische,  darmstädtische  oder  pfälzische  Obligationen ­
  dafür  annehmen  könne.  Rothschild  erwiderte,  daß  er  neben
der  Einbuße  von  20  000  Rtlrn.,  die  er  „nach  der  höchsten  mündlichen ­
  Bestimmung“  als  Provision  an  die  Kriegskasse  erlegen  mußte,
und  dem  Schaden  bei  den  preußischen  Obligationen  unmöglich  noch
ein  weiteres  Opfer  bringen  könne.  Umsonst  habe  er  sich  bisher
bemüht,  dergleichen  Obligationen  zu  verkaufen.  Jedermann  ziehe
die  neuen  4 1 / 2 prozentigen  Preußen  den  4prozentigen  vor.  Auch
eine  in  dieser  Absicht  unternommene  Reise  nach  Dänemark  sei  ohne
Erfolg  gewesen.  Zugleich  reichte  Rothschild,  der  von  Kopenhagen
um  das  bare  Geld  gedrängt  wurde,  eine  Vorstellung  ein  und  bat,
den  Rest  der  Barsumme  anzuweisen.  Das  2.  Departement  bemerkte
zu  der  Sache,  daß  die  Kriegskasse  gar  keine  Vorteile  genieße,  wenn
sie  Obligationen  in  Zahlung  gebe,  deren  Zinsen  pünktlich  eingingen
und  ebenso  viel  betrügen  wie  die  der  dänischen  Obligationen.  Dagegen ­
  sei  es  im  Interesse  des  Kurfürsten,  jeden  entbehrlichen  Zinsposten ­
  vom  Augenblick  des  Verfalls  an  wieder  anzulegen.  Aus  diesen
Gründen  legte  das  2.  Departement  einen  Zahlungsbefehl  auf  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.