Full text: Das Jungdeutsche Manifest

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mit einer unzulänglichen Einsicht und mit unzuläng— 
lichen Reformen der alten Ordnung keine neue Epoche 
des Aufstieges herbeiführen kann. 
Der Sinn der nationalen Bewegung unserer Zeit muß es sein, 
in der völligen Neugestaltung der deutschen Dinge den Grund zu 
einer neuen geschichtlichen Entwicklung zu legen. Sie kann diese Auf⸗ 
gabe nur erfüllen, wenn sie die Kraft aufbringt, über alle Hem⸗ 
mungen der Vergangenheit hinweg, einen völlig neuen Zustand in Volk 
und Staat zu schaffen, der dem deutschen Volkstum seinen alten 
Glauben an sich selbst und damit auch seine ursprüngliche Kraft und 
Aktivität zurückgibt. In der Erfüllung dieser Aufgabe müssen alle 
traditionellen Bindungen an die Geschichtsepoche des Niederganges 
verschwinden, um den Anschluß an die Epoche des Aufstieges wieder⸗ 
zugewinnen. 
Um so mehr wird es zur Pflicht, die Gründe festzustellen, welche 
den Niedergang von Volk und Reich verschuldet haben. Rückhaltlos 
und ohne jede Hemmung müssen alle Keime des Siechtums beseitigt 
werden. Jeder Kompromiß mit einer Einrichtung im Staatswesen, in 
deren Natur die Symptome des Niederganges enthalten sind, wäre 
ein Verrat an der nationalen Bewegung unserer Zeit, denn er würde 
die Keime der Krankheit in die neue Epoche hinübertragen. 
In der Epoche des Aufstieges waren die Führer der deutschen 
Stämme die Lehensmannen des Kaisers. Die Fürstenwürde war nicht 
erblich, sondern sie wurde durch die Kaisergewalt verliehen. Friedrich II. 
von Hohenstaufen änderte diesen Zustand, dem Wunsche der Fürsten 
nachgebend. Er erkannte die Erblichkeit der Fürstenlehen an. Er tat 
dies, um die Kaiserwürde auch im Besitz seiner eigenen Familie 
erblich zu verankern. Mit diesem Ereignis begann eine Entwicklung, 
welche zur Sprengung des Reiches führen mußte. Aus dem hohen, ver— 
antwortlichen Führeramt der Landesherren, deren Lehnsherr der Kaiser 
war, wurde erblicher Besitz einzelner Familien. Die Führerstellen des 
Staates wurden Privatbesitz. Die Folge war, daß nicht mehr der 
Dienst am Reiche im Vordergrund stand, sondern daß jeder Landesherr 
zur Vergrößerung seiner Macht Hausmachtpolitik betrieb. 
Der große sittliche Begriff germanischer Staaten- 
bildung wurde vernichtet. 
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