Getee
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Gewürznelken
gewonnen und dort, wie auch in Java, gleich
dem Bienenwachse benutzt wird, ist eine harte,
graue Masse vom spez. Gew. 0,963 und dem
Schmelzpunkt 61 0 C, die sich vollständig in ko
chendem Weingeist und in Äther löst.
Getee (Getel, engl. Jetee fibre), die Bastfaser
von Marsdenia tenacissima, einer in Ost
indien wachsenden Pflanze, wird in ihrer Hei
mat wegen ihrer Festigkeit und ihres seiden
artigen Glanzes viel verarbeitet.
Getreide (Zerealien, Halmfrüchte, frz.
Blö, Grains, engl. Corn, Grain). — Unter G.
versteht man im engeren Sinne die Samen von
Weizen, Roggen und Gerste, im weiteren Sinne
auch noch Mais, Hafer, Reis, Buchweizen und
Hirse. Das Getreide des Handels ist niemals
völlig rein, sondern enthält immer gewisse Ver
unreinigungen, wie Körner anderer Getreide
arten, Brandpilzsporen („spitzbrandiger Weizen“),
Mutterkorn (s. d.), Unkrautsamen (Taumellolch,
Kornrade usw.), tierische Parasiten (Kornwurm,
Weizenälchen), Erde, Steine Draht, Nägel, Stroh,
Sackbänder usw. Der absichtliche Zusatz der
artiger Fremdstoffe („Besatz“) ist selbstredend
unzulässig, aber auch der Gehalt an zufälligen
Verunreinigungen soll eine bestimmte Höhe von
1—2V2°/o nicht überschreite^. Für Getreide, das
zur unmittelbaren Vermahlung bestimmt ist, sog.
Mahlgut, ist der Gehalt an Besatz vom Österr.
Lebensmittelbuch zu höchstens 0,5 °/o (davon
höchstens 0,2 °/o Mutterkorn) festgesetzt, auch
darf es nicht in starkem Maße durch Brand
sporen verunreinigt sein. Verboten ist weiter das
Besprengen des Getreides mit Wasser und der Zu
satz von Hintergerste und Haferhülsen. Unzu
lässig erscheint die Beförderung in verunreinig
ten, feuchten, übelriechenden Wagen oder
Schiffsräumen, oder die Lagerung in ungeeig
neten Magazinen, in denen es verderben kann.
Für die Beurteilung sind besonders von Wichtig
keit: Farbe, Glanz und Größe der Körner, der
Griff, der Geruch, das Hektolitergewicht, das
^oo-Körncr-Gewicht, die Glasigkeit (bei Weizen
und Gerste), die Keimfähigkeit, der Gehalt an
Besatz, Wasser, Spelzen, Rohprotein (bei Gerste).
Her Handel mit G. bildet den wichtigsten Zweig
des Binnen- wie des Welt-, des Klein- wie des
Großhandels, und zwar sowohl hinsichtlich der
Größe des Umsatzes, als auch seiner Bedeutung
Jur das Volkswohl. Er dient dem Massenver
brauch für arm und reich in allen Klimaten
u nd Weltteilen und verdient die abseitigste För
derung, weil die Ernten an einzelnen Orten in
hohem Grade durch die Witterung beeinflußt
Werden, während die verbesserten Beförderungs-
v erhältnisse durch Eisenbaimen und Schiffahrt
lttl großen und ganzen Schwankungen über oder
unter die Mittelpreise verhindern. Nur bei noch
unentwickeltem Verkehr, wie z. B. in Rußland,
°der im Innern von Asien und Afrika, gibt es
uueh jetzt noch Hungersnöte an einzelnen Stel
len und weite Strecken mit herrenlos wachsen-
detn Getreide oder unverwertbarer Massenanhäu-
tu ng zu gleicher Zeit. In Mittel- und Westeuropa
kommen Notpreise nur noch örtlich vor, wenn
*tn Winter die Unzulänglichkeit der Ernte sich
zeigt, wohin die Zufuhr nicht zur Ausglei
chung gerichtet werden kann. Die jetzigen Ein
kehlungen haben dem Getreidehandel eine große
Festigkeit gegeben. Die großen Saat- und Ge
treidemärkte (Wien, Leipzig, London, Amster
dam usw.), die vor der Ernte abgehalten werden,
dienen dem Zwecke, über den Jahresertrag in
den einzelnen Ländern Klarheit zu verschaffen,
um hiernach Ab- und Zufuhr regeln zu können.
Sie bilden gewissermaßen eine internationale
Versicherung gegen Notpreise (zu hohe oder zu
niedrige) und bewirken im großen und ganzen
die Erhaltung eines angemessenen Durchschnitts
satzes (bezeichnet mit loo), bei welchem sich so
wohl die Landwirte als die Verbraucher am
wohlsten befinden. Der Massenverbrauch an G.
ist dadurch bedingt, daß es das Hauptnahrungs
mittel der Menschen bildet sowie als Futter
mittel für die Haustiere und als Rohstoff zur
Gewinnung technischer Erzeugnisse dient. Als
wichtigste, aus Getreide hergestellte Nahrungs
und Genußmittel sind Bier (Gerste, Weizen),
Branntwein (Gerste, Roggen, Mais), Stärke (Wei
zen. Mais) namhaft zu machen. Getreide ausfüh
rende Länder sind besonders Rußland, die Ver
einigten Staaten, Ostindien, Rumänien, Ägypten,.
Südamerika und Australien. Gleichgewicht im
Verbrauch und Erzeugung zeigen Österreich-
Ungarn (früher starke Mehrausfuhr) und Frank
reich (früher Mehreinfuhr). Der steten Einfuhr
bedürfen Großbritannien und Irland, Spanien,
Italien, Belgien, die Niederlande, Portugal, Finn
land, die Schweiz, Griechenland, Norwegen und
in geringem Grade auch Deutschland, welches
bis etwa 1870 noch Mehrausfuhr besaß, bei einer
Erzeugung von rund 30 Millionen Tonnen. — Sehr
wichtig für den Handel mit G. ist die sorgfältige
Aufbewahrung, die im Süden in Silos (Gruben
in der Erde), im Norden in besonderen Getreide
türmen mit Bewegungsvorrichtungen, auf Spei
ehern (Kornböden) oder in Zylindern geschieht.
Gewürze (frz. Epi.cös, engl. Spiee) ist der Sam
melname für eine große Zähl pflanzlicher Drogen
(Samenkörner, Knospen, Rinden, Wurzeln, Blät
ter und Kräuter), die wegen ihres hohen Gehaltes
an ätherischen Ölen, stark aromatischen Geruchs
und feinen Geschmacks in der Küche, in der
Bäckerei, zur Herstellung von Likören und
Zuckerwaren, in Apotheken, Drogenhändlungen
usw. Verwendung finden. Der Handel mit den
meist aus den Tropen stammenden G. war ur
sprünglich Monopol der Holländer, die noch
jetzt einen bedeutenden Umsatz in G. haben.
Soweit .von Bedeutung, finden sie ihre Beapre
chung unter den besonderen Namen.
Gewürznelken (Nelken, Näglein, lat. Ca
ryophylli, frz. Girofies, engl. Cloves). Dieses
beliebte Gewürz .besteht aus den noch nicht
völlig entfalteten, getrockneten Blüten des Nel
kenbaumes (Caryophyllus , aromaticus,
Eugenia caryophyllata), .eines schönen
immergrünen Baumes aus der Familie der Myt-
tazeen, der in seiner Belaubung dem Lor
beer ähnelt und im Schmucke seiner Blüten
büschel mit ihren fleischigen, roten Kelchen
und weißen Köpfchen einen prächtigen Anblick
gewährt. Die Pflanze ist auf den Molukken
heimisch und wird auf Amboina, ferner in gro
ßem Maßstabe auf Zanzibar und Pemba sowie
in geringeren Mengen in den westindischen fran
zösischen Kolonien angebaut. Als beste Sorte
gelten die ostindischen, auch Amboina-,