Full text: Kaufmanns Herrschgewalt

VI 
Einleitung. 
und jede Last leichter ertragen ließ, war das glückliche Familien 
leben im Eltemhause. Jedes — die Mutter, der Vater und selbst 
Andrews jüngerer Bruder — tat seine volle Pflicht und Schuldig 
keit; jedes war bestrebt, dem anderen die Sorge zu erleichtern und 
ein glückliches Gesicht zu zeigen. Vor allem war es die Mutter 
Andrews, eine resolute, dabei eine herzensgute und sparsame schot 
tische Hausfrau, welche Glück und vorsorgende Liebe über die 
ganze Familie ausbreitete. 
In seinem vierzehnten Jahre gelang es dem jungen Weber 
sohn endlich, der Heizerstelle ledig zu werden. Ein Landsmann, 
gleichfalls aus Dunfernline, der sich im Telegraphenamt zu Pitts 
burg Ansehen und Amt errungen, verschaffte dem jungen Carnegie 
eine Stellung als Telegraphenjunge. Er hatte die Depeschen aus 
zutragen und das brachte ihn zuerst mit Männern der Presse in 
persönliche Berührung; er hoffte, eines Tages selbst Artikel, ja 
sogar Bücher schreiben zu können. Andrew hatte nun einen Wochen 
lohn von zwölf Shillingen; allein ihn quälte immer die Furcht, daß 
er die Stellung wieder verlieren möchte, da er mit dem Geschäfts 
viertel der Stadt Pittsburg zu wenig vertraut und seine Gesund 
heit infolge der Überanstrengung bei Bedienung der Dampfmaschine 
nicht gerade fest war. Bald hätte er jedoch beide Hindernisse 
überwunden. 
Fleißig und immer bestrebt, so viel wie möglich zu lernen, 
benutzte Jung-Carnegie jeden Morgen, in aller Frühe, bevor noch 
die Telegraphisten im Telegraphenamte Waren, die ihm gebotene 
Möglichkeit zur Erlernung des Telegraphierens. Bei seinem be 
wunderungswürdigen Gehör vermochte er sehr bald, allein durch 
das Ohr die eingehenden Telegramme zu entziffern. Sein Lehrer 
J. D. Reed berichtet in seiner „Geschichte des Telegraphen“ mit 
Rücksicht auf Andrew Carnegie: „Mir gefiel der Junge, und ich 
sah sehr bald, daß er, obgleich klein, voller Geist war. Er war 
kaum einen Monat lang in meinen Diensten, als er mich frug, ob 
ich ihn das Telegraphieren lehren wolle. Ich begann ihn zu unter 
richten und fand einen fähigen Schüler in ihm. Bald telegraphierte 
er so gut wie ich selbst.“ Sehr bald bot sich Andrew eine besondere 
Gelegenheit, seine Fähigkeit zu zeigen. Eines Morgens traf, wäh 
rend er sich im Telegraphieren übte, eine Todesbotschaft aus Phila 
delphia ein. Jung-Carnegie machte sich sofort an das Übertragen
	        
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