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Das Pollardsystem und seine Einführung in Deutschland. 13
Als Probe eines solchen Gelübdes möge die von Herrn East %edruckte
und verlegte Formel dienen:
„Nachdem die Richter den Schuldspruch über die strafbare
Handlung, derentwegen ich vor Gericht stehe, ausgesetzt haben,
und mir so eine Gelegenheit geben, meinen Charakter zu erproben
und ein nüchterner und besserer Bürger zu werden, unterzeichne
ich hiermit frei und ungezwungen folgendes
Gelübde:
Ich will mich enthalten des Gebrauches berauschender Getränke
jeder Art auf ein Jahr von diesem Tage an, und ich verspreche
ferner, Wirtshäuser, Trinkvereine und andere nicht wünschenswerte
Orte nicht zu besuchen‘ (Anm. 42).
Das Gelübde wird vom probation officer beglaubigt und vom Gerichtsschreiber
mit unterschrieben. Der auf Probe Gestellte hat dem
probation officer regelmässig zu berichten.
Ist eine der Bedingungen verletzt, so soll der Täter vor Gericht
gezogen und ohne weiteren Beweis seiner Schuld verurteilt werden.
Es kann aber auch ein neuer probation order erlassen werden, was
sich empfiehlt, wenn der auf Probe Gestellte lange Zeit seinem Versprechen
treu geblieben ist und zu erwarten steht. dass ein neuer
Anlauf ihn gänzlich befreit.
In den Händen der Richter liegt es vorerst noch, ob sie das Pollardsystem
anwenden wollen. Dies geschieht nur zögernd (Anm. 43).
Die englischen Richter sind konservativ. In einer grossen Zahl von
Fällen ermuntern aber die Richter die Angeklagten in jeder möglichen
Weise, ein Gelübde zu nehmen (Anm. 44). Viele Richter
führen persönlich ein Gelübdebuch (pledge book), und die probation
officers kommen nicht ‚leicht ohne Gelübdebuch zu Gericht. Das
Verfahren, dem Täter einfach die Friedensbürgschaft auf gutes Verhalten
aufzuerlegen und den probation officer zu ersuchen, dass er
dem auf Probe Gestellten das Gelübde abnimmt, hat seine Anhänger
und zwar gerade auch unter den probation officers, weil es dann in
ihrer Hand liegt, im Falle des Gelübdebruches die probationers zu
neuem Anlaufe zu ermutigen. Von anderer Seite wird aber betont,
dass das gerichtliche Gelübde ernster genommen und gewissenhafter
gehalten wird, als das aussergerichtliche (Anm. 45). In zahlreichen
Fällen haf sich die Methode als sehr wertvoll erwiesen, die der Londoner
Polizeirichter Chapman ausser dem Pollardsystem anwendet
und nach seiner Aussage „jedes Gericht ein bisschen versucht hat“,
als Probationsbedingung den Eintritt in eine Anstalt — nicht Trinkerheilanstalt
— zu setzen, und zwar auf kürzere Zeit, damit der eheliche
Zusammenhalt nicht gelockert wird und die Stelle des Drobationer
nicht verloren geht (Anm. 46).
Gewöhnlich sind die Gerichtsmissionare die probation officers
(Anm.- 47). Sie sind durchrängig. wenn auch nicht von Rechts