Full text: Wirtschaftsführung und Finanzwesen bei den englischen Eisenbahnen

Vorwort 
Die Umstellung der Wirtschaftsführung der Deutschen Reichs- 
bahn hat eine Reihe von Problemen gezeitigt, deren Lösung zum 
Teil große Schwierigkeiten verursacht. Es liegt nahe, zu prüfen, 
inwieweit ausländische Vorbilder uns diesen Weg erleichtern können. 
Von besonderem Interesse ist zu diesem Zwecke das Studium 
der englischen Eisenbahnverhältnisse. England zeigt in seiner 
wirtschaftlichen Struktur in vieler Beziehung ähnliche Vorbedin- 
gungen für den Verkehr wie Deutschland. Dazu kommt, daß in den 
Fragen der Wirtschaftsführung die englischen Einrichtungen deshalb 
manche Anregungen bieten, weil hier die Formen der Privatwirt- 
schaft in langjähriger Tradition fortgebildet und entwickelt wurden. 
Gerade darin aber liegt im gegenwärtigen Moment das Schwergewicht 
unserer neuen Aufgaben. 
Ich darf deshalb annehmen, daß eine Erörterung der englischen 
Einrichtungen auf dem Gebiete der Wirtschaftsführung und des 
Finanzwesens im gegenwärtigen Augenblick Interesse beanspruchen 
und daß ein Bericht über die wichtigen Eindrücke, die ich auf einer 
sechswöchigen Studienreise im Sommer 1927 empfangen habe, 
willkommen sein möchte. 
Dem Programm entsprechend habe ich mich vorzugsweise 
mit den Verhältnissen der London Midland and Scottish Railway 
Company (LM S) heschäftigt. Dann habe ich mich bei der Great 
Western Railway Company (GW) über die hauptsächlich in- 
teressierenden Punkte informiert. 
Ein Besuch beim „Railway Clearing House‘ (RCH) er- 
möglichte mir, die dort behandelten Fragen kennenzulernen. 
Daneben aber habe ich mich bemüht, mit Wirtschafts- und Finanz- 
kreisen außerhalb der Eisenbahngesellschaften in Berührung zu 
kommen, um so durch die Kritik, die von außen an der Eisenbahn 
geübt wird, den Blick zu schärfen. 
Ich habe überall außerordentlich freundliches Entgegenkommen 
und Unterstützung gefunden. Vor allem bin ich der London Midland 
and Scottish Railway Company und der Great Western Railway 
Company und ihren so liebenswürdigen Leitern zu besonderem 
Danke verbunden. Ich hoffe, daß der Gedanke des internationalen 
Austausches von Erfahrungen auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens, 
der in den letzten Jahren zunehmend Anklang gefunden hat, sich 
weiterhin durchsetzen möchte. 
Der Einzelerörterung möchte ich einige allgemeine Bemerkungen 
über den Gesamteindruck vorausschicken, den ich gewonnen habe. 
Bei der Betrachtung der englischen Eisenbahnverhältnisse 
ist zurzeit vom deutschen Standpunkt wohl die erste Frage, inwie-
	        
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