Object: Bankpolitik

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3. Das Eigenkapital der Banken. 
Kapital ununterbrochen. Oer erste Direktor der London and kvest- 
minster Bank, Gilbart, hatte noch um die Mitte des vorigen Jahr 
hunderts das notwendige Eigenkapital einer Kreditbank auf ein Drittel 
der Betriebsmittel beziffert; es gibt heute keine englische Bank, bei 
der diese Relation auch nur annähernd erreicht würde. Oer folgende 
vergleich zeigt, wie sehr sich auch in den beiden letzten Jahrzehnten 
bei den englischen Kreditbanken das Verhältnis zuungunsten des Eigen 
kapitals geändert hat,' es hatten die Londoner Kreditbanken 
1893 47.5 Millionen Pfund Eigenkapital und 266.5 Millionen Pfund 
fremde Mittel, 
1912 79 Millionen Pfund Eigenkapital und 741 Millionen Pfund 
fremde Mittel 
Das Eigenkapital betrug demnach 1895 15.1 % der Bilanzsumme, 
1912 9.6% der Bilanzsumme. 
Eines der führenden Institute, Llogdsbank, hatte zu Ende 1912 
bei einer Bilanzsumme von 104.8 Millionen Pfund ein eingezahltes 
Aktienkapital von 4.2, eine Reserve von 2.9 Millionen- das Eigen- 
kapital betrug 6%, das Aktienkapital 4% der Bilanzsumme. Freilich 
steht ihr das Recht zu nicht weniger als 22 Millionen Pfund Aktien 
kapital einzuberufen, aber selbst die Einforderung eines Drittels diese: 
Summe würde den schwersten Kursrückgang der Aktien Hervorrufen, 
da die bisher bezahlte Dividende auf ein Drittel zusammenschrumpfen 
würde. 
Auch in den andern Reichen zeigte sich die gleiche Erscheinung- 
in den vereinigten Staaten betrug das Eigenkapital in Prozenten 
der Verbindlichkeiten bei den 
Rational-(Roten- und Kredit-)banken 1890 39% 1913 15.7% 
bei den 5taaten-(Kredit-)banken „ 38% „ 13.5% 
Bei den fünf großen französischen Kreditbanken war das Eigen 
kapital zu Ende 1912 nur 14.6% der Verbindlichkeiten. Bei den deut 
schen Banken ist, entsprechend der starken Betätigung im Anlagekredit- 
und Konsortialgeschäft, die Relation des Eigenkapitals zu der Bilanz 
summe ungleich größer (zu Ende 1912 bei den Berliner Banken 30%, 
den Provinzbanken mit über 10 Millionen Kapital sogar 37%), aber 
auch hier zeigt sich, wenn auch in weit schwächerem Maß, dieselbe Ten 
denz: so hat zum Beispiel die Deutsche Lank von 1909—1912 ihre 
Bilanzsumme von 1892 aus 2255 Millionen Mark, um 40%, gesteigert, 
ohne ihr Kapital zu verändern. Und nach den Feststellungen Bosenicks 
hatte im Durchschnitt der Jahre 1870—75 jene Berliner Bank, die das 
geringste Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme hatte, noch
	        
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