gliederung der Landwirtschaft in den kapitalistischen Wirtschaftsprozeß,
Der Kapitalismus aber kann diesen Prozeß nur durchführen
durch die gewalttätige und barbarische Vernichtung zahlloser bäuerlicher
Existenzen, und durch eine brutale Hunger- und Teuerungspolitik
gegenüber den proletarischen Massen, Die Industrialisierung
der Landwirtschaft geht mit derselben „naturwüchsigen Barbarei“
vor sich, von der Karl Marx bei der Darstellung der Entwicklung
der großen Industrie spricht. Nicht nur, daß die Millionenmassen
des Industrieproletariats diesen Prozeß mit hohen Lebensmittelpreisen
und die Landproletarier durch verschägfte Ausbeutung
bezahlen müssen, auch die Massen der arbeitenden Bauernschaft
werden durch ihn langsam aber sicher vom Markt verdrängt, in
immer hoffnungslosere Zins- und Steuersklaverei gestoßen, in immer
höherem Maße zu „unbezahlter Mehrarbeit‘ gezwungen. Die
Schichten der Agrarkapitalisten aber verwachsen immer besser mit
Industrie- und Bankkapital und gehen immer vollkommener im
monopolistischen Finanzkapital auf,
Diese Hervorkehrung der Absatz- und Verwertungsfragen ist
außerordentlich kennzeichnend für den agrar-kapitalistischen Charakter
des „Notprogramms”. Für den Agrarkapitalisten, der in
erster Linie kapitalistischer Warenproduzent ist und
durch andauernde starke Kreditschübe schon seit 1924 instand gesetzt
wurde, seinen Betrieb rationell umzustellen, sind die Fragen des
marktmäßigen Absatzes: der Konjunkturbeobachtung, der Ausschaltung
des Wettbewerbes, sowohl des inländischen wie des ausländischen
— des letzteren durch Zollerhöhungen —, der Standardisierung,
der fabrikmäßigen Weiterverarbeitung, der Lagerung und
Konservierung seiner Produkte die Hauptfragen, Für.den Kleinbauern,
der nur wenig auf den Markt bringt, der bisher weder
mechanisieren noch rationalisieren konnte, der oft nicht einmal die
Mittel hat, notwendiges Saatgut, Zuchtvieh, genügend Kunstdünger
zu kaufen, oder die dringendsten Reparaturen an Scheune, Stall und
Wohnhaus vorzunehmen, bestehen zunächst ganz andere Sorgen.
Wie soll er ohne ausgiebige staatliche Unterstützung und ohne planmäßigen
Uebergang zu genossenschaftlichen Produktionsformen
jemals in die Lage kommen, „Markenware‘ auf den Markt bzw. an
die Molkerei zu liefern?
Alle die vielerlei Maßnahmen, die die Richtlinien des Herrn
Schiele — Richtlinien, die notabene der Demokrat Dietrich, Baden, und
seine sozialdemokratischen Freunde heute widerspruchslos durchführen!
— aufzählen, können nicht über die Tatsache hinwegtäuschen,
daß sie erstens den Konsum in Deutschland
nicht heben, den Innenmarkt also nicht erweitern, zweitens
nur dem Bauern etwas nützen, der kapitalkräftig ist. Im Gegenteil;
sie verstärken die Ueberlegenheit des Großbetriebs:
gegenüber der Bauernwirtschaft, sie
bilden einen starken Anreiz für den Agrarunternehmer, die
fabrikmäßige Massenerzeugung bestimmter „standardisierter‘ Produkte
zu steigern und damit die Ware des Bauern allmählich auch