vom lokalen Markt der Kreisstadt zu vertreiben, Soweit der Bauer
aber an diesen Einrichtungen teilnimmt, „hört er auf, ein kleiner
König auf eigenem Grund“ zu sein, sondern muß nach der Pfeife
des kontrollierenden Agrar- und Bankkapitals und ihrer behördlichen
Agenten tanzen,.
Daß die Förderung der kapitalistischen Betriebe, nicht der
Bauernwirtschaft, die versteckte Absicht des „Notprogramms“ von
jeher gewesen ist, hat nach den Wahlen (!) die Berliner Börsenzeitung
am 1. Juni mit zynischer Offenheit ausgesprochen, Sie
schrieb in einem Aufsatz, betitelt „Rationalisierung des landwirtschaftlichen
Absatzes’:
„Abgesehen von diesen organisatorischen. Vorzügen (leichtere Möglichkeit,
Verkaufskartelle zu bilden, D, Red.) bieten die Großbetriebe
auch die besten natürlichen Vorbedingungen für die
Durchführung einer Rationalisierung des Absatzes.
Ohne Standardisierung der Erzeugnisse läßt sich die Absatzrationalisierung
nicht durchführen, Die Standardisierung ist nun um so leichter,
je einheitlicher die zu standardisierenden Erzeugnisse von Natur aus sind,
Eine Einheitlichkeit und Hochwertigkeit der .angebauten Pflanzensorten
und der gehaltenen Tierrassen ist die natürliche Voraussetzung der
Standardisierung. Es ist klar, daß bei den heutigen Verhältnissen
diese Voraussetzung eher gegeben und
leichter zu schaffen ist auf den großen, einheitlich
bewirtschafteten Flächen der Großbetriebe, als in
den bäuerlichen Erzeugungsgebieten mit ihrem heillosen
Sortenwirrwarr und ihrer Zersplitterung. Ferner sind die persönlichen
Vorbedingungen für die Rationalisierung der Erzeugnisse
im Großbetrieb bezeits weiter fortgeschritten als in
den bäuerlichen Gegenden, Denn einmal bedarf es beim Großbetrieb nur
der Umstellung weniger leitender Köpfe, um denselben Erfolg zu erzielen,
zu dem in bäuerlichen Gegenden die Beeinflussung zahlreicher Persönlichkeiten
zur Erzielung einer einheitlichen Willensbindung nötig ist,
UÜeberdies ist der Großbetrieb in der Landwirtschaft viel stärker kaufmännisch
eingestellt. und von dem kapitalistischen Streben nach wirtschaftlichen
Höchstleistungen erfaßt und vie leher auf die Marktproduktion
eingestellt als der noch stärker in den
überkommenen Ideen der Selbstversorgung und
Eigenbedarifsdeckung befangene bäuerliche Betrieb,
Bei der Dringlichkeit, welche die Aufgaben der Absatzrationalisierung mit
Hinblick auf die außerordentlich starke Passivität unserer Handelsbilanz
und die weitgehende Veberflutung des deutschen Marktes mit hochwertigen
ausländischen Agrarprodukten haben, sind wir auf schnelle
Erfolge angewiesen, Diese sind nach Lage der Dinge jedoch nur
dort zu erwarten, wo der Großbetrieb einigermaßen
den Einfluß hat,”
Mit dürren Worten wird hier also ausgesprochen: Die rund 100
Millionen Reichsmark, die auf Kosten der werktätigen Arbeiter und
Bauern zum Zwecke der „Organisation des Absatzes” landwirtschaftlicher
Erzeugnisse, von Vieh und Fleisch, und zur „Rationalisierung
der landwirtschaftlichen Genossenschaften” ausgeworfen
worden sind, sollen nicht verwendet werden, um den drei Millionen
kleiner und mittlerer Bauernwirtschaften auf die Beine zu helfen
und ihnen den Weg zur Verbesserung ihrer Produktion zu weisen,
sondern einzig und allein dazu, um die kapitalistischen Großbetriebe
und Großbauernwirtschaften rentabel und gegenüber