Full text: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

nur nach oben, also auf Kosten der arbeitenden Massen, einschließ- 
lich der kleinen Bauernschaft, stattfinden wird, beweist schlagend 
die zweijährige Tätigkeit der im März 1926 mit 30 Millionen Mark 
billigster Reichskredite gegründeten und unter Kontrolle. eines 
„Reichskommissars‘“ fungierende Reichsgetreidehandels- 
gesellschaft. In ihr ausschlaggebend sind die Düngemittel- 
industrie und die „Bezugsvereinigung deutscher Landwirte‘, eine 
Spitzenorganisation der landwirtschaftlichen Genossenschaften zu 
Einkaufszwecken. Sie hat die Roggenpreise in Deutschland allmäh- 
lich so stabilisiert, daß seit Oktober 1927 bis auf den heutigen Tag 
der Roggen pro Tonne durchschnittlich 10 Mark höher im Preis 
notiert als der Weizen, während er vor dem Kriege durchschnittlich 
20 bis 30 Mark unter dem Weizen stand, 
Angeblich soll die „Rationalisierung der Genossenschaften” die 
starken Preisschwankungen auf dem Agrarmarkf 
verringern, Da gerade der kleine Bauer unter diesen Konjunktur- 
schwankungen, die seit dem Kriege stark zugenommen haben, 
empfindlich leidet, ist er für diese Argumente besonders zugänglich. 
Wie steht es damit? 
Was die Saisonschwankungen auf dem Lebensmittel- 
markte anbelangt, so ist ihre Bekämpfung vom Standpunkt der 
arbeitenden Bauern nicht so sehr eine Frage der Marktbeobachtung, 
Einrichtung von Sammellägern und Konservenfabriken, sondern 
wesentlich eine Frage der verbesserten Produktionstechnik, also der 
Meliorationen, Rassen- und Sortenzucht sowie der Berufsberatung und 
der Wirtschaftsbeihilfe für die kleinen Landwirte: So lassen sich zum 
Beispiel die saisonmäßig auftretenden sogenannten „Milch- 
schwemmen“, aber auch die Perioden der Milchknapp- 
heit durch planmäßige Verteilung der Kalbzeiten bei den Kühen, 
sowie durch entsprechende Fütterung, Rassenauswahl und so weiter 
auf ein Minimum reduzieren, Ebenso ist es möglich, die saison- 
mäßigen Preisschwankungen auf dem Schweinemarkte, insbesondere 
auch. den vom Institut für Konjunkturforschung festgestellten etwa 
Vierjährigen Schweinepreiszyklus, durch geeignete Maßnahmen zu 
beeinflussen, zum Beispiel dadurch, daß die Mittel des Notprogramms 
den kleinen und kleinsten Schweinehaltern zugeführt werden, um 
ihnen die Möglichkeit zu geben, durch Konservierung ihrer Kar- 
toffeln (Einsäuerung) die Aufstellung von Schweinen über das Jahr 
hin besser zu verteilen, Auch auf dem Eiermarkte lassen sich ge- 
Wisse Erfolge durch Beeinflussung der Hühnerhaltung erzielen. 
Aber den kapitalistischen Produzenten liegt an einer 
Solchen Bekämpfung der saisonmäßigen Preisschwankungen außer- 
ordentlich wenig, da das eine „Stabilisierung der Preise‘ nicht nur 
zugunsten der Verkäufer, sondern auch der Käufer bedeuten würde. 
Es würden nicht nur die Preisstürze gehemmt, sondern auch die 
Preissteigerungen. Die kapitalistischen Produzenten haben ein viel 
größeres Interesse daran, daß die Perioden der Knappheit beibe- 
halten werden und das saisonmäßige Ueberangebot in Dauerware 
verwandelt und exportiert wird. Das nennt, man dann „Entlastung
	        
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