Zur Rationalisierung der Agrarbetriebe gehört auch die Ein-
lührung moderner Konservierungs- und Trocknungs-
methoden, insbesondere für Futtermittel. Die amerikanische
Methode der Grünfutterkonservierung in Silos ist in den
letzten 2—3 Jahren in den größeren Betrieben Deutschlands stark
in Aufnahme gekommen, Man nennt die Silos die „Sparbüchsen”
des Landwirtes. Mit Hilfe des Notprogramms soll nun auch die
Einsäuerung der Futterkartoffeln und die Kar-
toffeltrocknung in größerem Ausmaße als bisher durch-
geführt werden. Man hat berechnet, daß durch diese Methoden
Milliardenwerte an Futterstoffen gespart werden, die sonst infolge
Witterungseinflüsse, Fäulnis und Schwund verloren gehen. {Bis zu
Us der Kartoffelernte gingen bisher infolge Schwundes, Erfrieren etc.
verloren.)
Ein weiterer Schritt in der Rationalisierung der Landwirtschaft
ist die Spezialisierung, d. h. der gleichmäßige Anbau großer
Flächen mit ein und denselben Gewächsen, die Anlegung von Hühner-
farmen und ähnliches. So entstehen je nach Bodenklima, Verkehrs-
lage und Industrienähe‘ besondere Kartoffelwirtschaften, Zucker-
rübenwirtschaften, Gemüsewirtschaften, Eierwirtschaften, Abmelke-
wirtschaften, Schweinemastanstalten etc, Nach holländischem Muster
sind unweit Berlin 1926 viele tausende Quadratmeter Gemüseland
als‘ Frühkulturen eingeglast worden, Mit Hilfe der preußischen
Regierung wird das Wiesmoor in Ostfriesland zu einem Haupt-
gebiet für die fabrikmäßige Produktion von Früh-
gemüse umgewandelt, Laut Mitteilung des Landwirtschaftlichen
Genossenschaftsblattes vom 15, April 1928 soll es im Frühjahr 1928
gelungen sein, mit deutschem Frühgemüse auf den großen Märkten
von Köln, Aachen, Essen, Düsseldorf, aber auch in Paris und London
noch vor der holländischen Konkurrenz aufzutreten,
Im Zusammenhang mit der Errichtung von Spezialkulturen für
Gemüse und Obst sowie für Hackfrüchte steht auch die Ausdehnung
der Beregnungstechnik,
Der Typus der gemischten. Wirtschaft, der bisher in Deutschland
nicht nur in Kleinbetrieben, sondern auch in den kapitalistischen
Betrieben vorherrschte, wird durch diesen Prozeß mehr und mehr
auf die bäuerlichen Familienbetriebe und auf industrieferne Gegenden
mit ungünstigen Bodenverhältnissen und kurzem Sommer, strengem
Winter zurückgedrängt, In dem ersten Thünenschen Ring, d, h. in
der Nähe der großen Absatzmärkte, hat sich denn auch die Land-
wirtschaft schon ganz und gar von den jeweiligen Naturbedingungen
unabhängig gemacht, Vor’ den Toren der Großstädte sind vielfach
Landwirte mit nur wenigen Hektar Besitz bereits ausgesprochene
Kapitalisten. Durch Düngung und Meliorationen verwandelt sich
hier der landwirtschaftlich genutzte Boden immer mehr in Boden-
kapital.
Als Spitzenbetriebe, in denen die innere Rationalisierung und
[ndustrialisierung aber auch die Verbindung des rein landwirtschaft-
lichen Betriebs mit verarhbeitender Industrie und kaufmännischen