Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter Teil. Lande!. XII. Bankwesen. 
Maße ihre Geschäftsverbindungen mit der rheinisch-westfälischen Industrie zu vermehren 
und die bestehenden enger zu gestalten. In diesem Wettstreit der Großbanken sollen 
sich die Deutsche Bank und die Diskontogcsellschast den anderen Konkurrenten gegen 
über sehr häufig überlegen gezeigt haben. 
Von den beiden nunmehr fusionierten Banken aber hatte zweifellos der Schaaff- 
hausensche Bankverein nach seiner ganzen Vergangenheit die festeren und älteren 
Beziehungen mit der rheinisch-westfälischen Industrie. In allerjüngster Zeit noch ist 
diese Bank Zahlungs- und Abrechnungsstelle für eine Reihe von Syndikaten geworden, 
die in Rheinland-Westfalen ihr Tätigkeitsgebiet haben. Jünger und lange nicht so 
befestigt sind dagegen die Beziehungen der Dresdner Bank zu Krupp, Thyssen, 
Stinnes und anderen rheinisch-westfälischen Firmen. Während es nun einerseits der 
Dresdner Bank schwer wurde, in Rheinland-Westfalen ihr Tätigkeitsgebiet zu erweitern, 
— hatten doch schon die meisten und größten Werke feste Bankverbindungen — so 
fühlte andererseits der Schaaffhausensche Bankverein im Gegensatz zur Deutschen Bank 
und Diskontogesellschaft eine gewisse Grenze seiner Leistungsfähigkeit, die nur durch 
eine erhebliche, aber auch bedenkliche Kapitalvermehrung zu überwinden gewesen wäre. 
In dieser Situation trafen sich dann die Interessen der beiden bisher kon 
kurrierenden Banken, indem die Fusion gleichzeitig die Einflußsphäre der Dresdner 
Bank in Rheinland-Westfalen erweiterte und die Kapitalkraft des Schaaffhausenschen 
Bankvereins erhöhte. 
Durch die Fusion, die vorläufig beide Banken noch als selbständige Gesellschaften 
erhält, wird eine Bankvereinigung geschaffen, die über ein Gesamtkapital von 230 Millionen 
Mark verfügt. 
Die Beziehungen Rheinlands und Westfalens zu der Berliner Großfinanz 
ergeben nunmehr folgendes Bild. Die Deutsche Bank ist, nachdem sie durch die 
Bergisch-Märkische Bank und die Duisburg-Ruhrorter Bank schon festen Fuß in 
diesem Gebiet gefaßt hatte, im Jahre 1903 auch mit der Essener Kreditanstalt und 
der Siegener Bank für Lande! und Gewerbe in Verbindung getreten. Die neue 
Betriebsgemeinschaft zwischen der Dresdner Bank und dem A. Schaaffhausenschen 
Bankverein stellt folgende Verbindungen her. Zur Dresdner Bank mit 130 Millionen 
Mark Attienkapital gehören die Kölnische Wechsler- und Kommissionsbank mit 12 Millionen 
Mark, die Rheinische Bank mit 10 Millionen Mark, die Märkische Bank in Bochum 
mit 5 Millionen Mark und die Westdeutsche Bank vormals Ionas Cahn in Bonn mit 
9 Millionen Mark Aktienkapital. ZumSchaaffhausenschenBankvereinmitlOO Milli 
onen Mark gehören die Mittelrheinische Bank in Koblenz mit 9 Millionen Mark, die 
Mühlheimer Bank mit 5 Millionen Mark, die Westfälisch-Lippesche Vereinsbank in 
Bielefeld mit 5 Millionen Mark, die Niederrheinische Kreditanstalt in Krefeld mit 
21 Millionen Mark, die Pfälzische Bank in Ludwigshafen mit 50 Millionen Mark. 
Die neue Bankgruppe mit 356 Millionen Mark Attienkapital und 68 Millionen 
Mark Rücklagen ist also der Deutschen Bank mit 443 Millionen Mark und der 
Diskontogesellschaft mit etwa 430 Millionen Mark Aktienkapital und Rücklagen fast 
ebenbürtig?) 
*) Über den Ronzentrationsxrozeß im deutschen Bankgewerbe im Jahre *90-* s. Berliner 
Jahrbuch für Handel und Industrie. Jahrgang $04. Bd. I. Berlin, Georg Reimer, *905. 
£. *80 ff. - G. nt.
	        
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