Full text: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

lich — nicht in einer Kolonne arbeiten, bei der die besten Ar- 
beiter sich nach den schlechtesten richten müssen, sondern daß die Schläge 
morgenweise an einzelne kleine Kolonnen von 3 bis 5 Menschen auf- 
geteilt werden.‘ 
Warum sich für die Arbeiten „am besten die Frauen und Kinder 
eignen‘, ersieht man aus den Lohnunterschieden, die die Landwirt- 
;chaft zwischen Männern, Frauen und Kindern macht, Die Gesamt- 
;tundenlöhne betrugen im März 1928 für 
Männer 
36,66 
40,80 
43,48 
43,61 
38.77 
Jugendliche 
"e-1yen von 14 Jahren 
7° 11,44 Pig. 
13,75 
15,53 „4 
15,85 ,, 
1250 
in‘ Ostpreußen 
in Pommern 
in Mecklenburg-Schwerin 
in Brandenburg . 
in Schlesien 16,— 
usw. Bei Kindern unter 14 Jahren zahlt der Großgrundbesitzer 
Löhne nach eigenem Ermessen, Man kann sich nach‘ dem Studium 
vorstehender Tabelle davon ein lebhaftes Bild machen, 
Ueber die Erledigung aller Arbeiten in eine m Arbeitsgange sagt 
in seinem Buche der Großgrundbesitzer Schlange - Schöningen in 
bezug auf die Ausführung der Getreideerntearbeit: 
„Ich meine das Ausdruschsystem während der Ernte, Schon 
in den Anfangssätzen dieses Kapitels wies ich darauf hin, wie die Ge- 
treideernte heute noch in einer großen Anzahl von Betrieben gehandhabt 
wird, und ich zeichne dies Bild an dieser Stelle noch einmal, weil man 
den Widersinn dieses Verfahrens gar nicht eindringlich genug darstellen 
kann. Wochenlang werden mit Hilfe des gesamten Personals die Garben 
hoch in. den Scheunen aufgestapelt, allenfalls Höhenförderer zu Hilfe ge- 
aommen und, was schlimmer ist, das Getreide, für das der Scheunenraum 
nicht ausreicht, wird in Mieten gefahren, und diese Mieten regnen dann 
entweder ein oder ihr Ausdrusch nimmt einen großen Teil der verfügbaren 
Leute weg, gerade in jener Zeit, wo Mensch und Pferd dringend gebraucht 
werden sollten, um die Gespanne zwischen Beendigung der Getreide- 
ernte und Beginn der Hackfruchternte mit Dungfahren auszunutzen, Und 
dann wird fast den ganzen Winter über mit Winterschnittern die Ernte 
wieder aus den Scheunen herausgeklappert, . 
Nirgendwo scheint die sogenannte „Amerikanisierung” der Wirt- 
schaft so notwendig, aber auch so leicht durchführbar wie hier. Mit 
knapp demselben Personal, mit dem man das Getreide 
in den Scheunen aufstapelte, kann man. es gleich aus- 
dreschen und — auch das ist außerordentlich wesentlich — sowohl 
das gedroschene Korn als auch Stroh und Spreu in einem Arbeitsgang an 
den Platz bringen, an dem es lagern bezw. wo es verbraucht werden soll.” 
Aus allen den hier aufgeführten Gründen erscheint auch das 
immer stärker werdende Verlangen der Großgrundbesitzer nach 
ausländischen „Saisonarbeitern‘ im richtigen Lichte. 
Durch den zwischen Deutschland und Polen abgeschlossenen Vertrag 
„über die Beschäftigung polnischer Wanderarbeiter in der deutschen 
Landwirtschaft” müssen diese zwangsweise während der Winter- 
monate: Deutschland verlassen. Damit werden die Wünsche der 
Großgrundbesitzer in bezug auf Herabsetzung des Lohnkontos in 
den „arbeitsarmen Wintermonaten“ erfüllt, Auf die lohndrückenden 
Arbeitsbedingungen, die sich aus den für die ‚ausländischen land-
	        
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