Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Die Preise der Lebensmittel sind seit Beginn des Krieges 
ganz außerordentlich gestiegen. Besonders gilt das für die 
jenigen Nahrungsmittel, auf welche der Bergmann in erster 
Linie angewiesen ist, wie Brot, Kartoffeln, Fleisch (Speck), Hül 
senfrüchte usw. Diese Tatsache ist allgemein bekannt und dürfte 
es sich daher erübrigen, an dieser Stelle nähere Zahlen über die 
Preissteigerung, deren Ende noch nicht abzusehen ist, anzuführen. 
Durch das Hinaufschnellen der Lebensmittelpreise haben die 
Kosten für die Lebenshaltung eine gewaltige Erhöhung erfahren. 
Es dürfte nicht zu hoch gegriffen sein, wenn die Verteuerung 
der Lebenshaltung einer Familie, verglichen mit dem Kosten- 
aufwande vor dem Kriege, auf 40—50 Prozent veranschlagt wird. 
Durch diese Verteuerung werden die Bergarbeiter am empfind 
lichsten getroffen. Sie sind bei dem großen Kräfteverbrauch, 
der durch ihre schwere Berufsarbeit bedingt wird, nicht in der 
Lage, sich wesentlich im Nahrungsmittelverbrauch einzuschränken. 
Würden sie dieses tun, so könnte das nur auf Kosten der 
Leistungsfähigkeit und Gesundheit oder auf Kosten der Berg 
arbeiterfamilien, also von Frau und Kind, geschehen, denen da 
durch noch größere Entbehrungen, als es jetzt schon vielfach der 
Fall ist, auferlegt würden. Dazu kommt noch, daß die Berg 
arbeiter die im vaterländischen Interesse notwendige Ueberarbeit 
auf die Dauer nur dann leisten können, wenn es ihnen möglich 
ist, eine angemessene Lebenshaltung zu führen, d. h. eine kräftige 
Nahrung zu sich zu nehmen. 
Wir verweisen auch auf die Tatsache, daß laut bergbehörd 
licher Statistik der durchschnittliche Schichtverdienst der Gesamt 
belegschaft im Oberbergamtsbezirk Dortmund im 4. Vierteljahr 
1914 abermals, und zwar auf 6,03 Mk. zurückgegangen ist, was 
gegen das 2. Vierteljahr 1914 einen Lohnrückgang von durch 
schnittlich 19 Pf. pro Schicht bedeutet. Inzwischen ist die bei 
spiellose Verteuerung der Nahrungsmittel eingetreten, so daß, 
selbst wenn gegenwärtig die Durchschnittslöhne den Stand vom 
2. Vierteljahr 1914 wieder erreicht hätten, dieses nicht als Aus 
gleich für die erfolgte Teuerung betrachtet werden konnte. 
Gewiß verkennen die Unterzeichneten nicht, daß ein völliger 
Ausgleich des Arbeitereinkommens mit der jetzt herrschenden 
Teuerung durch eine entsprechende Erhöhung der Löhne zurzeit 
nicht möglich ist. Dazu ist die Erhöhung der Nahrungsmittel 
preise viel zu stark vorgeschritten. Die Unterzeichneten sind 
allerdings der Ansicht, daß in dieser schweren Zeit alle Schichten 
der Bevölkerung Opfer bringen müssen, halten jedoch die Ge 
währung der genannten Teuerungszulage für durchaus not 
wendig und auch für durchführbar.
	        
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