Full text: Das Jungdeutsche Manifest

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Souveränität des Staates ist notwendig für die Gewährleistung 
des Gesamtwohles. Der Staat hat darüber zu wachen, daß der 
Austrag wirtschaftlicher Gegensätze sich im Rahmen dieses Gesamt⸗ 
wohles bewegt. Im übrigen ist die Wirtschaft in der Wirtschafts⸗ 
kammer auf eigene Füße gestellt. Der heutige Reichstag stellt in 
seiner Zusammensetzung ein eigenartiges Gemisch von Volksinteressen 
und Sonderinteressen dar. Die Abgrenzung der einzelnen Interessen⸗ 
vertretungen schwimmt ineinander. Alles ist verschleiert und ver— 
schachtelt. Weltanschauung, Volksinteresse, Wirtschaftsinteresse und Be— 
rufsinteresse gehen hier im krausen Wirrwarr durcheinander. Die Wirt⸗ 
schaftskammer löst diesen in seinem innersten Wesen ständisch geglie— 
derten Reichstag ab. Der Unterschied besteht nur darin, daß die 
Vertretung der einzelnen Sonderinteressen des Wirtschafts- und 
Berufslebens in der Wirtschaftskammer offen und klar vor aller 
Augen liegt. 
Die Wirtschaftskammer ist eine organische Ver— 
tretung der gesamten Wirtschaft. Ihre Aufgabe i st 
es, das Leben der Wirtschaft im Einvernehmen mit 
der Führung des Staatsbürgertums in die richtige 
Bahn zu lenken. 
Es ist nicht Sache des jungdeutschen Manifestes, in die großen 
Fragen der Wirtschaftsgestaltung einzugreifen. Seine Aufgabe be— 
schränkt sich darauf, die Stellung der Wirtschaft im Staat zu zeich— 
nen. Die wahre Wirtschaftsform kann erst dann gefunden werden, 
venn im Neubau des Staates der Geist eines Staatsbürgertums 
geschaffen ist, in dem die Erstgeburt des Volkswohles gegenüber 
dem Sonderinteresse Einzelner eine feststehende Tatsache geworden ist. 
Im Volksstaat ist die Wirtschaft auf eigene Füße 
gestellt. Sie findet ihre Formen im freien Ringen 
aller widerstrebenden Kräfte. Dieses Ringen kann 
nur dann im Nutzen für das ganze Volkenden, wenn 
der souveräne Gedanke der Verantwortlichkeit vor 
der Nation das Wesen aller Kämpfe bestimmt. Der 
Wächter dieser Entwicklung ist das organisierte 
Staatsbürgertum im Volksstaat. 
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