fullscreen: Wissenschaftliches Arbeiten

Die Rezension 
klar hervortreten lasse. Sie soll deshalb zeigen, welches 
Ziel das Werk verfolgt, ob und in welchem Grade und auf 
welchem Wege es dieses Ziel erreicht. Sie soll in gerechter 
Berücksichtigung aller Umstände die Vorzüge und Fehler 
des Werkes in der Sache und in der Form darlegen, und 
so ein Bild ‚desselben entwerfen, in dem Licht und Schatten 
nach Gebühr verteilt sind. Dabei hat sie bei jedem Schritte 
Gelegenheit, durch die eigenen Erörtungen die Erkenntnis 
des behandelten Gegenstandes auch positiv zu fördern, 
Wenn H. Schmidkunz verlangt, die Kritik solle, bevor sie einen 
möglichst objektiven, normalen Maßstab anlegt, gegebenen Falls zuerst 
zeigen, daß ein Werk „hinter der idealen Vollkommenheit zurückbleibt, 
die aus seinem eigenen Wesen folgt, daß es insbesondere vielleicht 
Widersprüche mit sich selbst zeigt, daß der Autor die eigene Klärung 
nicht abgeschlossen hat, daß er sich selber nicht völlig gerecht wird, 
und dergl. mehr“ (Zts. f, Philos. u. Pädag. 15 [1908] 509), so dürfte 
diesem Wunsche in der obigen näheren Bestimmung der Aufgabe der 
Kritik schon entsprochen sein. Das Urteil über die „ideale Vollkommen- 
heit“ eines Werkes wird praktisch eben auf dem bezeichneten Wege 
am sichersten auf objekliver Grundlage gefällt werden können. 
Welcher Art die allgemeinen Gesetze und Anforderungen an eine 
wissenschaftliche Untersuchung sind, wird zum großen Teile im Ver- 
lauf dieser Darlegungen zur Sprache kommen, 
Wenngleich wir im folgenden zunächst nur die eigentliche wissen- 
schaftliche Kritik oder „Rezension“ im Auge haben, wird das meiste 
sich doch auch leicht auf andere Arten der Kritik, insbesondere auf 
die literarische und die Kunstkritik, anwenden lassen, 
29, Zweck und Bedeutung. Aus dem Begriff 
und der Aufgabe der Kritik, wie wir sie hier betrachten, 
ergibt sich von selbst ihr Zweck und ihre Bedeutung. 
1. Der Kritiker kann allerdings gar verschiedene Zwecke 
bei der Rezension eines Werkes anstreben. Soll aber seine 
Kritik ihrer Aufgabe nich untreu werden,” so gibt es für 
ihn nur einen einzigen berechtigten Hauptzweck, dem Recht 
und den Interessen der Wahrheit zu dienen, Wo die Über- 
einstimmung mit der rechtmäßigen Norm vorhanden ist, 
da fordert dies Interesse die offene Anerkennung, und es 
verlangt eine gleiche offene Sprache, wo jene Überein- 
stimmung fehlt. Durch die Erfüllung dieser Forderungen 
Q97
	        
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