Lange hat man in der Nachkalkulation mit diesen schwan-
kenden Betriebszuschlägen gerechnet. Man war sehr stolz,
wenn man in dem einen Monat etwa als Prozentsatz 23700
festgestellt und der Nachkalkulation zugrunde gelegt hatte,
bis man im nächsten Monat sehr rasch sah, daß dies Ver-
hältnis inzwischen auf 183 gesunken oder vielleicht gar auf
304 gestiegen war. Dann begann das Spiel von neuem. Na-
türlich rechnete da ein und derselbe Auftrag, je nachdem in
welchen Monaten er von der Nachkalkulation bearbeitet
wurde, einmal gut, einmal schlecht ab. Eine Übersicht über
den Betriebserfolg war dem Betriebsleiter damit fast gänz-
lich unmöglich und das Mißtrauen vieler Betriebsingenieure
gegen die gefürchtete Nachkalkulation erklärt sich zu einem
guten Teil aus dieser falschen Handhabung.
Auch preistechnisch war jenes Vorgehen falsch. Man
kann unmöglich bei schlechter Beschäftigung, also schwacher
Konjunktur, sich hohe Selbstkosten ausrechnen und diese
wemöglich vom Kunden. verlangen. Der Erfolg wird nu
sein, daß noch weniger Aufträge eingehen, der Beschäfti-
gungsgrad weiter sinkt und die tatsächlichen Betriebszu-
schläge weiter steigen. Gerade in schlechter Zeit muß man
aber sehen, möglichst viel Aufträge hereinzubekommen, um
wenigstens einen Teil der weiterlaufenden festen Unkosten
zu decken.
Man rechnet daher heute durchweg mit sog. Normal-
zuschlägen ab, die dem Idealzustand normaler Beschäfti-
gung entsprechen. Sie werden nach sorgfältiger Überlegung
so festgesetzt, daß sie bei normaler Beschäftigung den Be-
trieb ohne Verlust arbeiten lassen, und sowohl der Vor-
wie der Nachkalkulation zugrunde gelegt. Die Praxis sieht
freilich stets anders aus; denn der Idealfall normaler Be-
schäftigung ist ja eine Fiktion, die niemals absolut erreicht
wird, in Wirklichkeit wird die tatsächliche Beschäftigung
bestenfalls um die Nähe der Normalbeschäftigung pendeln
Rechnet nun die Nachkalkulation mit normalen Zuschlägen,
während die Beschäftigung z. B. ein wenig geringer als
normal ist, so wird die Summe der abgerechneten Aufträge,
da die tatsächlichen Zuschläge höher liegen werden, nicht
sämtliche Betriebsunkosten vermittels der Zuschläge auf die
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