übersicht der fremden Kultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 9
sie sonst kaum jemals im Verlaufe der deutschen Geschichte von
einem begrenzten Teile des Ganzen ausgegangen ist. Zu den
internationalen Kultureinflüssen gesellte sich also, in vollem und
oft siegreichem Wettbewerb mit diesen, eine niederländische,
olämische, holländische Einwirkung. Es ist die letzte große Leistung
der Niederlande für das gemeinsame Vaterland gewesen. Eben
in dem Aufschwung des 16. bis 18. Jahrhunderts entfernten
sie fich trotz alles alten Zusammenhangs von diesem so sehr,
daß sie seitdem den Weg einer besonderen Entwicklung ge—
gangen sind.
Für den Überblick der Beeinflussungen der deutschen Kultur
im Verlaufe des 16. bis 18. Jahrhunderts aber entsteht aus
dem Neben- und Durcheinander der fremden und der nieder—
ländischen Wirkungen eine um so größere Schwierigkeit der
Darstellung, als auch die niederländische Kultur wieder vielfach
von außen her, und zwar zunächst auch im Sinne und in der
Richtung der binnendeutschen Kultur, Anregungen empfangen
hat. In dem wirren und häufig fast unüberschaubar verflochtenen
Gewebe dieser Beziehungen läßt sich nur von dem Stand—
punkte aus einige Ordnung schaffen, daß man Zeitalter des
Überwiegens eines bestimmten Einflusses unterscheidet auf die
Gefahr hin, manchen untergeordneten Momenten nicht gänzlich
gerecht zu werden. Erscheint dieser Standpunkt als zulässig,
so wird man drei Perioden fremder Einflüsse unterscheiden
können: die eines vornehmlich italienischen bis etwa zum Jahre
1620, in einer Zeit, in der Deutschland, wenngleich geschwächt,
doch fremde Kulturelemente noch unter dem offenen Bestreben,
sie national umzubilden, aufnahm; dann eine Periode vor⸗
wiegend niederländischen Einflusses, eine Zwischenzeit gleichsam
zwischen der ersten und letzten Periode, schon früh, seit etwa
1580, beginnend und etwa ein Jahrhundert, ja länger, fort⸗
während; und endlich eine Periode vorwiegend französischen
Einflusses, deren Höhepunkt zwischen 1680 und 1720 liegt, zu
einer Zeit, da die deutsche Kultur kaum noch stark genug war,
sich die fremden Elemente in auch nur einigermaßen nationalen
Formen anzueignen. Sind damit italienische, niederländische