Object: Grundlagen der Wirtschafts- und Handelspolitik

diese Zahlung von 20 Pfennigen ratenweise 
sintreten zu lassen und die Zahlungen so 
sinzurichten, daß bis zum 1. Oktober dieses 
Jahres die 20 Pfennige pro Kopf des Arbei, 
ters gezahlt werden. 
Meine Herren, ich brauche hier vor 
Ihnen nicht daran zu erinnern, daß wir uns 
als Arbeitgeber in der Zahlung von Beiträ:- 
gen für unsere Spitzenorganisation doch 
nicht von den Arbeitern übertreffen lassen 
dürfen; und wenn Sie an die ungeheuren 
Summen denken die die Arbeiter für ihre 
Organisationen aufbringen, dann werden 
Ihnen die 20 Pfennige pro Kopf des Arbei- 
ters zur Bildung dieses Industriefonds wohl 
nicht zu hoch erscheinen. 
Ich bitte also namens des Vorstandes 
ınd des Präsidiums dringend darum, die 
Mittel für den „Industriefonds‘“ in der ange: 
z;ebenen Höhe zu bewilligen. 
Vorsitzender Herr Geheimrat Dr. Duisberg: 
Wünscht einer der Herren das Wort da: 
zu? — Das ist nicht der Fall. Ich nehme an, 
laß Sie damit einverstanden sind, daß diesem 
Vorschlage entsprochen wird. — Es ist ge: 
1ehmigt. 
Nunmehr darf ich Herrn Geheimrat 
Bücher bitten, das Wort zu seinem Vortrage 
zu nehmen: Grundlagen der Wirt: 
schafts: und Handelspolitik. 
GRUNDLAGEN DER WIRTSCHAFTS: UND HANDELSPOLITIK 
Berichterstatter: Herr Geheimrat Dr. BÜCHER 
Seit der Annahme des Dawes-Gut: 
ıchtens hat der Kurs der Reichsmark in 
New York zwischen 23,80 und 23,82 Dol- 
arcents geschwankt. Das ist, praktisch ge: 
3sprochen, die absolute Stabilisation. Die 
Reichsmark ist seit der Annahme des 
Dawesplanes die stabilste Währung, wenn 
ich auf Goldparität rechne, stabiler sogar 
ıls der amerikanische Dollar. Wird das so 
bleiben? Das ist die große wirtschaftliche 
Frage. Bei der Konstruktion, die unsere 
Währung nach dem Dawesplan bekommen 
hat, ist die Beantwortung dieses Problems 
in erster Linie eine Angelegenheit der 
Reichsbank. Der Reichsbankpräsident hat 
an den verschiedensten Stellen zum Aus- 
Iruck gebracht, daß er unter allen Um: 
ständen die Währung halten würde, und 
daß, wenn die Reichsbank nicht mehr in der 
Lage wäre, Devisen abzugeben, auch nie- 
mand mehr im Besitze von Markbeträgen 
wäre, mit denen er Devisen kaufen könnte. 
Das ist richtig. Daß es richtig ist, möchte 
ich kurz auseinandersetzen. Der Gold: 
destand der Reichsbank betrug am 19. März 
796 Millionen Goldmark. An zur Gold: 
deckung herangezogenen Devisen besaß die 
Reichsbank am gleichen Tage 330 Millionen. 
Tatsächlich verfügt die Reichsbank über 
sinen nach außen nicht erkennbaren Betrag 
zoldwerter Devisen, die unter den sonstigen 
Aktiven der Reichsbank aufgeführt sind, 
ein Betrag, den wir schätzen auf 1% bis 
134 Milliarden Goldmark. Die reine Gold: 
deckung der Reichsbanknoten betrug .am 
19. März 1925 50 %, und sie beträgt heute 
53,4 %. Der Wechselbestand der Reichs: 
bank hatte folgende Veränderungen er: 
fahren: 
Wechselbestand am 
31. 72. 71024 2064 Millionen 
25 1607 FE 
1935 1539 „ 
1925 1308 u 
Fl 
Der Wechselbestand ging also um nahezu 
3 Milliarden zurück, d.h. die Reichsbank 
ı1at während der letzten 3 Monate starke 
destriktion getrieben. Nun ist der Verlauf 
ler Tätigkeit der Reichsbank folgender: 
Stellt die Wirtschaft Anforderungen an De- 
;isen, so wird sie um den gleichen Betrag, 
len sie an Devisen anfordert, Reichsmark 
»ei der Reichsbank präsentieren müssen: 
ım den gleichen Betrag wird sich also die 
Notenzirkulation verringern. Schränkt die 
Reichsbank den Wechselbestand ein, indem 
ze Wechsel nicht akzeptiert, mithin also die 
Noten, die zurückgeflossen sind, nicht 
vieder ausgibt, so ist sie in der Lage, immer 
n Gold abzudecken. Das ist die Politik, die 
lie Reichsbank ganz zwangsweise betreiben 
nuß, Werden der Reichsbank mehr De- 
risen entzogen, als ihr zugeführt werden, so 
nuß sich um den Differenzbetrag die Noten: 
ınd Wechselzirkulation verringern. Geht 
liese Zirkulation unter einen bestimmten 
Zetrga hinunter — der Reichsbankpräsident 
jagte einmal 500 Millionen Goldmark —, so 
ıat die Reichsbank, obwohl sie existiert und 
ılles in Ordnung ist, praktisch aufgehört, 
sine Notenbank zu sein. Ihre Noten werden
	        
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