der Rohwolle folgen die Halb: und Fertig:
labrikate, und daraus entsteht allmählich
eine Verteuerung der Lebenshaltung auf der
ganzen Linie. Von der Geldseite gesehen,
handelt es sich jedoch nicht um eine Verteue:
rung der Waren, sondern um eine Entwer-
tung des Geldes,
Und nun meine Herren, noch eine
weitere Frage, Herr Dr. Bücher sagte, daß
die Reichsbank, wenn die Nachfrage nach
Devisen das Angebot erheblich zu über:
schreiten beginne, die Möglichkeit, Devisen
zu kaufen, durch eine erneute Kreditrestrik-
tion verengern würde. Die Kreditrestriktion
habe nach Ansicht des Herrn Reichsbank:
präsidenten Dr. Schacht seinerzeit die Mark
stabil gemacht und stabil gehalten und
werde deshalb auch von ihm als das Mittel
angesehen, im gegebenen Falle erneut zum
Erfolge zu führen. Bei diesen Überlegungen
wird meines Erachtens nicht genügend be-
achtet, daß die Lage der deutschen Wirt-
schaft heute eine ganz andere ist, als sie vor
einem Jahre war. In Währungsfragen kann
man nichts wiederholen. Die Verhältnisse
sind immer anders, als sie‘ früher waren, so
auch jetzt. Als seinerzeit die Reichsbank
lie Kredite beschränkte, trat an die Stelle
des Bankkredits der Lieferantenkredit. In
der Textilindustrie sind wir beispielsweise
seitdem von einem 14tägigen Zahlungszie]
aach und nach auf ein 60tägiges Ziel überge:
gangen, Als Zahlungsmittel hat der Waren:
wechsel mehr und mehr an Boden gewonnen,
und das Eigenakzept spielt eine Rölle wie
hiemals in den allerschwersten Zeiten vor
dem Kriege. Der Bankkredit ist nach meinen
Erfahrungen durch den Lieferantenkredit
ıicht nur ersetzt, sondern weit übertroffen
vorden. Wenn nun die Reichsbank erneut
zu einer Beschränkung des Kredites über-
sehen sollte, so vermag sich das Sicherheits-
zentil des Lieferantenkredites nicht mehr zu.
)ffnen; denn es ist schon offen. Eine erneute
Kreditbeschränkung wird also die Wirtschaft
in ihrem vollen Umfange treffen und muß
zu Zahlungseinstellungen, Beschränkung der
>roduktion und zu Arbeiterentlassungen
ühren. Die Arbeitslosen aber müssen wiede-
um aus Öffentlichen Mitteln unterstützt
werden. Wie sollen nun diese neuen Aus-
jaben aufgebracht werden, wenn die Wirt:
:chaft durch Einschränkung der Produktion,
ljurch Verluste aus gegebenen Krediten,
lurch Nichteingang ausstehender Forderun:
jen in den schwersten finanziellen Nöten
sich befindet?.
Die Passivität unsrer Handelsbilanz birgt
»ine Gefahr für unsere deutsche Wirtschaft
zon unausmeßlichen Folgen in sich. Ich be:
zrüße es deshalb, daß der Reichsverband der
Deutschen Industrie die Ursachen der Passi-
zität unserer Handelsbilanz und die Maß:
ı1ahmen zur Besserung der Bilanz prüfen und
'eststellen will. Die sofortige Aufnahme
lieser Arbeiten ist erwünscht.
Vorsitzender Herr Geheimrat Dr. Duisberg:
Da niemand mehr das Wort wünscht,
<ommen wir zum folgenden Punkt der Tages-
rdnung: Gegenwärtiger Stand der Handels:
zertragsverhandlungen. Berichterstatter ist
derr Staatssekretär von Simson.
GEGENWÄRTIGER STAND DER HANDELSVERTRAGS:
VERHANDLUNGEN
Berichterstatter: Herr Staatssekretär z.D. v. SIMSON
Meine Herren! Wenn ich es unter:
achme, den gegenwärtigen Stand der Han-
delsvertragsverhandlungen Ihnen darzule-
gen, so möchte ich zunächst um Ihre Nach:
sicht insofern bitten, als, wie der Herr Prä-
sident ja schon gesagt hat, ich erst vor
kurzer Zeit an Stelle von Herrn Müller:
Örlinghausen für diesen Vortrag bestimmt
worden bin und ihn daher nicht so habe
vorbereiten können, wie im Interesse der
Sache wohl wünschenswert gewesen wäre.
Ich möchte aber ferner noch an Ihr mensch=
liches Mitgefühl insofern appellieren, als ich
ı1ach Herrn Geheimrat Bücher zu Worte
<omme, der seine alte Meisterschaft auch
ıeute wieder bewiesen hat, aus jedem Stoff
*unken zu schlagen. Ein derartiges Ge»
nälde, wie es Herr Bücher hier vor Ihnen
;ntworfen hat, dürfen Sie von mir nicht er-
warten, sondern nur eine bescheidene Zeich»
ıung. Aber ich kann Ihnen dafür verspres
;hen, daß sie auch einigermaßen kurz zu
Snde geführt sein wird.
Ich möchte gleich eingangs sagen, daß
ch mich grundsätzlich nicht mit denjenigen
Ländern beschäftigen möchte, mit denen