Amerikas folgendes gesagt: Amerika verkauft
in seinem eigenen Lande Aluminium um, ich
glaube, 5 Cents teurer, als der Preis in den
übrigen Teilen der Welt ist. Dieses Hoch:
halten des Preises ermöglicht eine Ansamms
lung von Reserven in Höhe von etwa 7 bis
8 Millionen Dollar pro Jahr nur in dieser
Gruppe. Und der betreffende führende Mann
der Aluminium-Industrie hat mir erklärt,
wenn der amerikanische Aluminiumtrust nur
1% oder 2 Millionen Dollar dieser Reserve alljährlich
verwendet, so ist er in der Lage, die
gesamte europäische Aluminiumindustrie in
1% Jahren zu ruinieren.
Was haben wir diesen Ansammlungen
von Kapitalkraft, von modernster Organisation
der Industrie entgegenzustellen? Bei
dieser Frage der modernen Entwickelung der
Industrie möchte ich die Herren Kollegen
bitten, sich doch einmal mit der ganzen tech:
nischen Entwickelung der amerikanischen In:
dustrie vertraut zu machen, die sich bei uns
erschöpft in den Worten Ford und Band:
system, nachdem das Taylor-System längst
überwunden ist. Wir hören, daß gerade
Amerika in weitestem Umfange von der Zen,
tralisierung seiner Industrie zu einer Dezen:-tralisierung
zurückgeht, daß es seine Fabriken
über das ganze ungeheure Land verteilt, und
zwar mit Rücksicht darauf, daß es den Schwie:
rigkeiten der Ansammlung ungeheurer Ar:
beitermassen in den Großstädten oder in der
Nähe der Großstädte entgegenwirkt, weil das
Transportproblem der Menschenmassen in
wenigen Stunden von und zur Arbeitsstätte
nicht mehr zu bewältigen ist und weil — und
das berührt ja die Arbeiterfrage, die heute
vielfach gestreift worden ist — der Amerikaner
von dem Gedanken ausgeht, daß selbst
der 8-Stundentag nicht das Endziel der Bez
strebungen der Arbeiterschaft sein wird, sondern
daß man noch von den 8 Stunden herunterkommen
will und er sich schon heute die
Frage vorlegt: was soll die Arbeiterschaft mit
lem Rest der Zeit, den sie nicht zu arbeiten
braucht, anfangen? Nicht nur Ford, sondern
andere führende Industrielle verlegen syste:-matisch
die Betriebe, die selbstverständlich
von einem großen Punkt aus organisiert sind,
ıuf das flache Land hinaus, soweit Lände-"eien
noch vorhanden sind, um dort die Arbeiterschaft
nach Schluß der Arbeitszeit an
landwirtschaftliche Kulturen, an Gartenbau
usw. zu gewöhnen.
Ein Volk, das so systematisch aufbaut, ist
von uns, von der alten geschwächten europäischen
Wirtschaft nicht mehr zu schlagen.
Wir müssen uns damit abfinden, daß die Vor:
nachtstellung der neuen Welt von der alten
Welt nicht mehr zurückerobert werden kann.
Jnd unter diesem Gesichtspunkt haben wir
ıns die Frage ernsthaft vorzulegen, ob hohe
Zollmauern, die sich ein Land wie Amerika
eisten kann, auch der Weisheit letzter
Schluß für die deutsche, europäische Wirt:
schaft sind.
Meine Aufgabe als unparteiischer Vor:
jitzender des Zolltarifausschusses des Reichs»
wirtschaftsrats, dem die wenig dankbare Auf:
jabe zugefallen ist, zunächst die kleine Zoll:
'arifrevision in monatelangen Verhandlungen
zu Ende zu führen, dem jetzt auch dieAufgabe
zugefallen ist, den endgültigen großen Zoll:
arif vorzubereiten — meine Aufgabe ist
;s nicht, zu der Frage „Hochschutzzoll oder
*reihandel“ Stellung zu nehmen, denn meine
;jehr geehrten Herren, ich halte die beiden
‘ragestellungen nicht für zeitgemäß. Wir sind
weder in der Lage, heute uns für den Hoch:
ıchutzzoll zu erklären, noch. sind. wir heute
n der Lage, etwa, wie. ich.es.seinerzeit..in
Tamburg einmal ausgeführt habe, vorzeitig
Mc Fahne des Freihandels aufzupflanzen, Wir
nüssen einen Mittelweg gehen, einen Weg,
ler versucht, die Interessen der deutschen
Wirtschaft zu schützen, ohne deshalb die Tore
zu schließen, denn es kann unmöglich der
Wille der deutschen Wirtschaft sein, daß wir
verlangen, in fremde Gebiete zu niedrigen
Zollsätzen einzudringen und daß wir gleich:
zeitig für uns selbst Zollsätze fordern, die das
10= bis 20 fache der Vorkriegszollsätze sind.
JInd, meine sehr geehrten Herren, an der:
ırtigen Vorschlägen ist kein Mangel gewesen.
Wir haben dutzendfach auch bei den Hanlelsvertragsverhandlungen,
an denen ich
;elbst beteiligt gewesen bin, die Forderung
srheben hören: für Deutschland ein turmıoher
Schutzzoll, aber ihr habt dafür zu
;orgen, daß im Auslande die Schutzzölle, die
ı;twa in der doppelten Höhe der Friedenssätze
bestehen, auf ein Viertel abgebaut werden.
Heiterkeit),
Meine sehr geehrten Herren, nun haben
Sie vorhin von Herrn Staatssekretär von Sims
son gehört, daß heute im Reichstag wieder
änmal ein Unglück passiert ist, ein Unglück
ür die deutsche Wirtschaft. Es wird das
etzte nicht sein. Man hat den spanischen
Tandelsvertrag mit 17 gegen 4 Stimmen abjelehnt.
Nun gehöre ich nicht zu denjenigen,
lie etwa den spanischen Handelsvertrag für
>twas Ideales halten. Er ist sicherlich der
schlechteste Vertrag, den wir abgeschlossen