von 1721, Ustariz’ meisterhafte Schrift von 1724 und Ulloas Ergän-
zung von 1740. Erst die Heranziehung dieser Schriften neben dem
Geschichtswerk Andersons u. a., dazu Lists Verflechtung mit den fran-
zösischen Gegnern Smiths erlauben ein Urteil über Lists wirkliche
Beziehungen zum Merkantilismus. -
Wir zählen weiterhin nur auf die übrigen in dem systematischen
Teil der Preisschrift flüchtiger angeführten Schriftsteller: Priestley,
Condorcets Turgot-Biographie, Mignets Werk über die französische
Revolution, Child, Davenant und Storch; für die geschichtlichen Ka-
pitel benutzt List nur solche Unterlagen, die auch das erste Buch des
Nationalen Systems bringt. .
Als wirkliche Quelle für die Art des historischen Urteilens aber darf
Montesquieu nicht übergangen werden. Das Programm der Akademie
hatte die Bewerber ausdrücklich auf Montesquieu hingewiesen und
gefordert, eine ähnliche vergleichende Übersicht für die Handelsge-
schichte der größeren Nationen zu liefern; dem Hauptwerke des größ-
ten historischen Genies Frankreichs sollte in der Beantwortung der
Preisfrage ein „Esprit des lois commerciales‘“ zur Seite gestellt wer-
den! List studiert bei der Ausarbeitung den „Esprit des lois‘“ und
verwendet Teile davon??, Er hat seitdem für dieses Werk eine tiefe
Schätzung: „L’esprit penetrant de Montesquieu l’a fait voir trö&s bien
sur le fond de la politique anglaise .. .“23 und später sagt List:
„Montesquieu, der wie keiner vor ihm und keiner nach ihm sich dar-
auf verstand, der Geschichte die Lehren abzuhorchen, welche sie dem
Gesetzgeber und Politiker erteilt . . .“24,
Damit schließen wir die kurzen Hinweise auf Lists Lektüre; nur
die näher behandelten Werke dürfte List in den wenigen Wochen,
in denen er das französische System schrieb, genauer gelesen haben,
alle anderen Zitate sind Erinnerungswissen aus früheren Jahren, wenn
wir absehen von der Lektüre einiger historischer Werke zur Handels-
geschichte der Völker. Doch ist die Stoffsammlung für die geschicht-
lichen Kapitel zum größten Teil in den Jahren nach der Rückkehr aus
Amerika geschehen, wofür einige Anhaltspunkte in den Notizbüchern
und Exzerpten des Reutlinger Archivs und im „Nationalmagazin‘‘, das
List 1834 redigierte, zu gewinnen sind.
Die literarischen Belege in der Preisschrift sind ein äußerer Hin-
weis, wie stark List seine begriffliche Basis in der Klassik und im
Geiste des 18. Jahrhunderts hat25, und sie zeigen andererseits, daß
er die ihm eigentümliche Richtung des Schauens und Denkens aus
leibhafter eigener Erfahrung und ursprünglichem Miterleben seiner
deutschen Zeitlage original erworben hat. Dupins Ziel des „tableau
des forces productives et commerciales de l’univers‘“ innerhalb einer
Statistiqgue comparee?6 war eben rein statisch, und sein Werk?? lie-
ferte List nur Sachmaterial, keine systematischen Gedankenanre-
gungen. Die große geistige und politische Autorität Dupins und Chap-
tals ist ihm aber eine moralische Stütze für seine eigene Überzeugung,
denn die beiden Männer vertraten auch als Politiker eine praktische
Zollpolitik, wie. List sie propagierte.
Das Thema der „Quellen“ Lists ist mit dem Gesagten nur angedeu-
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