Full text: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

;e qu’on a nomm6 l’6quilibre europeen, de me&me il s’est forme rela- 
tivement A V’industrie et au commerce une opposition contre l’Angle- 
verre‘“36, Und im Nationalen System heißt es7: „Daß die Idee des 
Kontinentalsystems immer wiederkehren, daß die Notwendigkeit ihrer 
Realisierung den Kontinentalnationen sich um so stärker aufdringen 
wird, je höher Englands Übergewicht in Industrie, Reichtum und 
Macht steigt, ist jetzt schon klar und wird immer noch klarer wer- 
Jen.‘ Die ausführliche Behandlung im Nationalen System zeigt aber, 
daß List keinen deutlichen Unterschied zwischen gleichgerichteten 
Industrieinteressen und einem politischen Bunde machte, und das so 
unbestimmte, „verbesserte napoleonische Kontinentalsystem“‘ ist in den 
Systemen eine normative politische Wirklichkeit. Wir kommen auf 
Jiesen wichtigen Punkt nochmals zu sprechen, 
La nation predominante, die Suprematiemacht des nationalen Sy- 
stems, und der Bund der zum gleichen Ziele berufenen Nationen ist die 
begriffliche Formung der politischen Konstellation, in welcher List 
seine beiden Hauptwerke schreibt; das spezifische Erlebnis „Nation“ 
bezieht sich auf die nacheifernden Nationen, zu denen ja vor allem 
Deutschland gehört. Dieser politischen Gegenüberstellung entspricht 
ersichtlich in der Wirtschaftstheorie die kosmopolitische und die po- 
litisch-nationale Ökonomie, und in der Zolllehre die Freihandelsstufe 
und die Stufe des Schutz- und Erziehungszolls. Die systematische Be- 
wältigung dieser beiden Komponenten erfordert eine dynamische 
Lehre, denn der Emporstieg der zweiten Gruppe der Nationen zur 
Gleichstellung mit der Vormacht ist der spezifische Inhalt der Lehren 
Lists. 
Zum politischen Grunderlebnis tritt die Verankerung der Wirt- 
schaftslehre in der ethischen Schicht, zu der manchmal eine Beziehung 
auf die Religion („Ein Hirt und eine Herde‘) flüchtig hinzukommt. 
Durch den vollen systematischen Ausbau und die fortlaufende be- 
griffliche Beziehung aller ökonomischen Einzelforderungen, auf die 
politische Konstellation und den Einbau beider in eine allgemeine 
Ethik erhält Lists System seine wirkungsvolle Rationalität und die for- 
male Bedeutsamkeit eines Kultursystems. 
Die Ethik, die hinter allen Werken Lists steht, ist die der Aufklärung: 
Wohlfahrt des ganzen Menschengeschlechts. In den beiden großen 
Systemen erhält diese Ethik eine besondere Ausprägung. Sie schließt 
sich an den Gegensatz der Suprematiemacht und der Nationen der 
zweiten und dritten Ordnung an. Die Höchstentwicklung der Kultur 
und der wirtschaftlichen Zivilisation, in welchen sich die allgemeine 
Wohlfahrt erfüllt, kann nur dann erreicht werden, wenn „möglichst 
viele Nationen gleichzeitig die gleiche Stufe der Ausbildung in Reich- 
tum und Macht erlangen“. D. h. aber: Das lebendige wirtschaftliche 
und politische Ziel Deutschlands, wie List es erlebte, wird mit der 
Forderung der Menschheitsethik identifiziert. An dieser Notwendigkeit 
der „Gleichstellung“ der berufenen Nationen hängt die ganze höhere 
Motivierung und die kulturell-ethische Rechtfertigung des Schutz- 
systems; es ist der „geistige‘“ Zentralbegriff der beiden Hauptsysteme. 
Äher eindeutig und sozusagen experimentell erweisbar, bildet die 
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